Großes Crescendo
Wenn es auf dem Nachtkästchen schrillt, haben ja die meisten Probleme. Wälzen sich auf die andere Seite, betteln innerlich um eine weitere Minute, erreichen nur mühsam die Schwelle vom Traum zur Morgenrealität: Wie es wohl erst ist, wenn nicht sieben Stunden Ruhe hinter einem liegen, sondern vielleicht sieben Jahre? Und es dann nicht klingelt, sondern «der Wecker kam», wie es später in der «Götterdämmerung» heißt? Nichts haben diese Szenen hier vom gewohnt majestätischen Erwachen Brünnhildes, viel dafür von Morgenmuffelei.
Herzlich gelacht wird in Nürnbergs Opernhaus über diese Pathosbrechung, darüber, weil man solches selbst zur Genüge kennt – und weil hier auch der Body-Mass-Index des Paares ironisch mitinszeniert wird: Sie stürzt sich mit gewichtigem Heroinen-Temperament auf einen, dessen Bäuchlein die rote Trainingshose überwölbt. Keine Alternative in Sicht, also muss es eben dieser Mann sein.
Ein «Intermezzo» sei der «Siegfried», so hat es Cosima Wagner einst über das Opus des Gatten notiert, ein Scherzo. In Nürnberg nimmt das Georg Schmiedleitner ziemlich wörtlich. Wobei seine Inszenierung mit Ladehemmungen startet. Der erste Aufzug verliert sich mit krampfig ausgestellten ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Markus Thiel
Es kann ein Schock sein, hier aus dem Flugzeug zu steigen, wenn man nicht vorbereitet ist. Eben noch bin ich voller Energie über die Gangway gestürmt, jetzt lehne ich an der Wand, nach Luft schnappend, das Herz hämmernd. Die Luft ist dünn in Denver. Sehr dünn. Die Hauptstadt des US-Bundesstaates Colorado wird nicht ohne Grund «Mile High City» genannt.
Von Denver...
In Marcel Prousts legendärem, von ihm selbst sogar zweimal ausgefüllten Fragebogen sowie seinen Nachfolgern gibt es die obligate Rubrik «Lieblingskomponisten». Häufig sind die Antworten der Prominenten kanonisches name dropping – mit Bach, Mozart und Beethoven an der Spitze. Fallen indes, selten genug, Namen wie Berlioz oder Mussorgsky, ist man schon eher geneigt...
Der Ort, den sich die Birmingham Opera Company für ihr diesjähriges Großprojekt ausgesucht hat, liegt in einer rauen Gegend. Man kann bloß hoffen, dass Autoklauer bei diesem Wetter lieber zu Hause bleiben: Regen trommelt Wirbel auf Dixi-Klodächer. Die großen Zelte, die als Backstage-Bereich dienen, versinken langsam im Schlamm. Generatoren rumoren.
Innen posiert die...
