Auf der Suche nach dem Königsweg
Mehr als ein Vierteljahrhundert ist verstrichen, seit Carl H. Hiller in dieser Zeitschrift mit einem monografischen Essay auf den wohl bedeutendsten polnischen Komponisten nach Chopin aufmerksam machte (siehe OW 1/1983): Karol Szymanowski.
Damals kannten allenfalls ein paar Connaisseurs das umfangreiche Œuvre des eigensinnigen Ästheten, der zeit seines viel zu kurzen Lebens – er starb 1937 als Mittfünfziger in einem Schweizer Sanatorium an Tuberkulose – der Musik seines Heimatlandes einen Weg jenseits epigonaler und doch zum Nationalidiom verklärter Romantik-Klischees wies: ein weltläufiger Wegbereiter der späteren Avantgarde um Penderecki und Lutoslawski. Auf den Spielplänen der Konzert- und Opernhäuser taucht Szymanowski, zumal außerhalb Polens, freilich selten auf.
Dabei hat er einen in seiner stilistischen Heterogenität und Bandbreite bemerkenswerten Werkkorpus hinterlassen: Klavierstücke, Lieder (darunter einen James-Joyce-Zyklus), Kammermusik, vier Sinfonien und zwei Violinkonzerte. Hinzu kommen fünf Kantaten (von denen nur das «Stabat mater» aus dem Jahr 1927 Eingang ins Repertoire fand), Schauspiel- und Ballettmusiken («Harnasie», 1931). Auch zwei komplette Opern sind ...
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Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.
Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...
Herr Hengelbrock, Sie gelten als Nonkonformist. Was stört Sie am Musikbetrieb?
Es ist eine Tendenz unserer Zeit und auch des hemmungslosen Kapitalismus, dass alles komprimiert wird auf die bestmöglichen Verwertungsmöglichkeiten. Wenn ich Musik reduziere auf die rein technischen Parameter – höher, tiefer, lauter leiser –, dann komme ich zwar mit wenig Proben aus,...
Die Tendenz ist offenkundig: Viele junge Regisseure, Regie- und Bühnenbildstudierende haben kaum Interesse daran, die bekannten rund sechzig Opern einfach weiter auszupressen, auf der Suche nach einem neuen Sinn. Andererseits: Die Oper fasziniert. Dass sie mit dem Leben hier und heute nichts oder nur wenig zu tun hat, das will eigentlich niemand wirklich...
