Melancholie und Familienchaos

Gelsenkirchen | Trojahn: La Grande Magia

Opernwelt - Logo

Zeitgenössische Opern sollten nach ihrer Uraufführung eine zweite Chance erhalten. Von dieser kulturpolitisch sinnvollen Forderung profitieren leider selten die sperrigen Werke (es sei denn, sie genießen den Kultstatus von Helmut Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern»), sondern meist Opern, die an das Repertoire, die Tradition, das klassische Gesangsideal andocken. Dem in Düsseldorf lebenden und lehrenden Manfred Trojahn kann es recht sein.

Er hat die Heraufbeschwörung der tönenden Erinnerung immer schon als Chance verstanden, mit dem Publikum über ein vertrautes Vokabular in Kontakt zu treten. «Der Komponist sehnt sich nach einem Rezipienten, den er mit seiner Musik berühren kann», so hat es einmal der immer auch wortgewandte Komponist formuliert.

In seiner vierten Oper «La Grande Magia», die nach der Uraufführung bei den Dresdner Musikfestspielen 2008 jetzt am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier ihre zweite Chance bekam, berührt Trojahns Musik auch diejenigen unmittelbar, die nicht zum «wetterfesten Häufchen berufsgebundener Festivalbesucher» (Trojahn) zählen. Die von Lutz Rademacher mit Engagement und Liebe zum Detail geleitete Neue Philharmonie Westfalen spielte in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Michael Struck-Schloen

Weitere Beiträge
Geheime Bezüge

Künstlerschicksale prägen das Bild der Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. «Man kennt nur ein Leben, sein eigenes.» Strindbergs Bekenntnis zur ‹Ich-Dramatik› setzt sich aber nicht nur im Drama durch, sondern findet Nachahmer auch unter den Komponisten – man denke an Schrekers «Der ferne Klang» oder Pfitzners «Palestrina». Zwei selten gespielte Künstleropern...

Zwischen Himmel und Hölle

Vom Spätwerk Franz Schrekers zu sprechen, wäre unangemessen. Der Komponist, Jahrgang 1878, starb bekanntlich an den Folgen eines Schlaganfalls, nachdem er von den Nazis aus dem Amt als Leiter der Berliner Musikhochschule gejagt und auch sonst diffamiert worden war. Da war er Mitte fünfzig. Dennoch gibt es einen Umschwung in Schrekers Schaffen, der in den zwanziger...

Der Krimi geht weiter

Die Offenbach-Philologie ist eine Katastrophe. Wer wissen möchte, in welcher Form der Meister seine Werke niederschrieb, greift seit 1999 zu der vom Verlag Boosey & Hawkes sogenannten «Kritischen und praktischen Ausgabe» von Jean-Christophe Keck. Die Bezeichnung macht stutzig. Eine praktische Ausgabe macht Theatern ein Werk in spielbarer Form zugänglich. Eine...