Kundrys Kahnpartie
Dass das doch so auffällt. Dass es eine Aufführung doch so spürbar prägt. In Karlsruhe ist eine Interpretation von Richard Wagners «Parsifal» zu erleben, bei der alle Beteiligten offenkundig an einem Strang gezogen haben. Das Ergebnis: eine musikalisch-vokal-szenische Einheit. Vier der fünf großen Partien sind mit Rollendebütanten bestückt, ohrenscheinlich sorgsamst vorbereitet, auf äußerste Wort- und Sinnvermittlung gerichtet.
Der Einzige, der mit seiner Aufgabe schon vertraut war, ist Alfred Reiter, ein Gurnemanz-Bass zwischen Sprödigkeit und sonorer Rundung.
Neben ihm erreicht der eine schwere Karlsruher Bariton – Renatus Meszar als Amfortas – starke Ausdruckswerte, und der andere – Jaco Venter als Klingsor – führt eine materialreiche Saft-und-Kraftstimme ins Treffen. Christina Niessen geht mit Kundry einen weiteren Karriereschritt. Sie setzt auch in hochgradiger Expressivität auf wirkliches Singen, selbst dort, wo der Schrei nahe liegt. Und mit dem Parsifal des Deutsch-Amerikaners Erik Nelson Werner landet die Aufführung sogar nahe am Ideal: ein anstrengungsfreier und behutsam artikulierender, zur (steigerbaren) Differenzierung bereiter Heldentenor auf angestammter ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Heinz W. Koch
«Darf ich das signieren?» Was für eine Frage. Aber natürlich. Wir bitten sogar darum. Wer weiß, wann wir Margarita Marinova noch mal treffen. In ihrem «Archiv», einem winzigen, über und über mit Aufführungsplakaten dekorierten Raum im zweiten Stockwerk des Plattenbaus gleich hinter der Oper. Einem unwirtlichen Kasten mit blinden Fenstern, verzogenen Türen und...
Wenn man den Zuschauerraum betritt, liegt die Bühne bereits offen da. Hinten, vor der Brandmauer, ist das Orchester platziert. Am rechten Bühnenrand vier Straßenlaternen, quer über den Raum leuchtende Hochspannungsdrähte. Links auf der Vorderbühne erhebt sich eine als Spielpodium benutzte Fußgängerüberführung. Der Orchestergraben ist mit schwarzen Müllsäcken...
Als Fritz Busch in den 1930er-Jahren in Glyndebourne Mozart aufführte, ließ er die Rezitative selbstverständlich von einem Konzertflügel begleiten. Erst nach 1950 sollte sich das Cembalo als Begleitinstrument durchsetzen – bei Mozart, bei Rossini und noch für eine späte Oper mit recitativi semplici wie Donizettis «Liebestrank» von 1832.
Diese Entscheidung beruhte...
