Ironischer Realismus
In «Andrea Chénier», seiner erfolgreichsten Oper, widmete sich Umberto Giordano wahrlich einem würdigen Gegenstand: Ein Dichter und politischer Aktivist gerät zwischen die Mahlsteine des Robespierre’schen Terrors und wird schließlich guillotiniert. Nicht nur die musikalisch einprägsame Faktur des Werkes – insbesondere der Titelpartie – und Illicas starkes Libretto lohnen den Besuch in Leeds: Die gut besetzte Neuproduktion der Opera North überzeugt auch dank einer intelligenten Inszenierung.
Joanna Parkers Ausstattung dient der Erzählung, ohne bloß Staffage zu sein.
Zunächst in dunklem, semi-modernem Stil gehalten, evozieren Bühne und Kostüme später in den Szenen um Intrige und Gerichtshof einen historischen Realismus. Häufig nutzt die Regisseurin Annabel Arden die Ausstattung als ironisch-kritischen Kommentar zu der romantischen Fabel: Die Gräfin de Coigny, die im ersten Akt ihren Diener Gérard feuert, weil dieser auf ihrem Fest einen Aufstand der Armen inszeniert, könnte ohne Weiteres einem Catwalk der Achtzigerjahre entsprungen sein, während Carlo Gérard und sein geschundener Vater eher an Gestalten aus der ITV-Serie «Downton Abbey» erinnern.
Die geradezu wagnerianische Fülle an ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Tom Sutcliffe
ARD-ALPHA
11.3. – 19.30 Uhr
14.3. – 16.00 Uhr
KlickKlack.
Musikmagazin.
13.3. – 11.00 Uhr
Vom Klang der Sterne.
Porträt des Komponisten Wilfried Hiller.
20.3. – 11.00 Uhr
Faszinierende Frauen – faszinierende Stimmen.
Film von Eckhart Schmidt. Mit Christa Ludwig, Waltraud Meier, Diana Damrau, Angela Denoke, Renée Fleming, Anna Netrebko.
25.3. – 11.00 Uhr
Bach:...
Europa hat ausgedient. Die blaue Sternenflagge taugt nur mehr als Tischtuch, als Unterlage für fettige Pommes und ein Sixpack Bier. Hamlet und Ophelia sitzen, mampfen und würgen. Zu sagen haben sie sich nichts, das Angebot von früher – «Lass mich dein Herz essen, Ophelia» – interessiert nicht mehr. Die Geschichte: ein Schlachtfeld. Der Mensch: verloren in Trümmern....
Nächstes Jahr ist Schluss. Schluss mit den anstrengenden, zeitraubenden Auftritten auf der Opernbühne. Die Marschallin will Renée Fleming noch einmal geben, in der kommenden Saison, wenn Christoph Waltz seine «Rosenkavalier»-Inszenierung aus Antwerpen an Covent Garden auffrischt (mit Andris Nelsons am Pult). Und dann ein letztes Mal an der Met. «Niemand soll sagen...
