Utopien der Freiheit

Pierre Gaveaux’ Oper «Léonore» und Beethovens Bühnenmusik zu Goethes «Egmont»

Opernwelt - Logo

Drei Anläufe unternahm Beethoven, ehe er mit seiner einzigen Oper «Fidelio» ans Ziel kam. Aber er war nicht der Erste, der Jean-Nicolas Bouillys angeblich auf eine wahre Begebenheit zurückgehendes Libretto «Léonore, ou l’Amour conjugal» bearbeitete. Das Sujet vereint mit dem Kampf gegen willkürliche Tyrannei und dem siegreichen Triumph der Liebe archetypische Situationen der nach der französischen Revolution hoch im Kurs stehenden republikanischen Freiheitsidee.

Noch vor Beethoven griffen Ferdinando Paër («Leonora», 1804) und Giovanni Simone Mayr («L’amor coniugale», 1805) danach – beide Werke liegen seit Längerem auf CD vor –, während Pierre Gaveaux’ Erstvertonung aus dem Jahr 1798 bis vor Kurzem in den Archiven schlummerte.

Die damals höchst erfolgreiche Rettungsoper mit gesprochenen Prosadialogen mag uns heute konventionell und leicht verstaubt anmuten. Als Komponist konnte Gaveaux weder mit Luigi Cherubini noch mit dessen heute ebenfalls vergessenen Zeitgenossen Nicolas Dalayrac und Pierre-Alexandre Monsigny konkurrieren, in deren Opern er häufig als Sänger auftrat. Die singspielhaften Züge dominieren, Pizare ist eine reine Sprechrolle, und der emphatische Impetus des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
In allen Epochen bei sich

Die Musik war ihr in die Wiege gelegt. Vermutlich sprang der Funke von der Großmutter, einer seinerzeit in Ungarn populären Sängerin, auf die 1923 in Zürich geborene Sopranistin über. Nach dem Gesangsstudium in Hannover debütierte Colette Lorand 1945 in Basel, 1955 stand sie bei der Eröffnung der neuen Hamburger Staatsoper (deren Ensemble sie bis 1969 angehörte)...

Sakrileg

Als 2006 bei Gallimard Jonathan Littells Roman «Les Bienveillants» erschien, ging ein hörbares Raunen durch die literarische Welt. Nicht nur hatte der amerikanische Schriftsteller das mehr als tausendseitige Werk auf Französisch geschrieben (was ihm den «Prix Goncourt» eintrug), er war zudem so kühn gewesen, eine Art Tatsachenbericht mit fiktionalem Einschlag über...

Bedrohte Vielfalt

Die Zerstörung der Artenvielfalt bedrohe die Menschheit mindestens genauso wie der Klimawandel, mahnte dieser Tage der Präsident des Biodiversitätsrats bei den Vereinten Nationen. Ähnlich wie etwa industrielle Landwirtschaft als eine der Ursachen für den Rückgang der Insektenbestände gelten kann, dürfte der kulturelle Globalisierungsprozess für das zunehmende...