Jeder ein Ich, überlebensgroß
Es ist wie bei E. T. A. Hoffmann. Draußen herrscht miserables Wetter, der Regen fällt heftig und anhaltend, also bleiben die sechs Personen, die für diesen Moment ihres Lebens zusammengefunden haben, drinnen und beginnen, sich im Wohnzimmer Geschichten zu erzählen. Allein, der Schein trügt. Denn in der Wirklichkeit von «Diodati. Unendlich», der vom Theater Basel bestellten und aus der Taufe gehobenen Oper von Michael Wertmüller, ist es nicht wie bei E. T. A. Hoffmann, werden im Rahmen des witterungsbedingt erzwungenen Abends im Haus nicht die spannendsten Vorfälle zum Besten gegeben.
Es ist wie bei Dea Loher: Bei der 55-jährigen Dramatikerin aus Berlin geschieht so gut wie nichts. Die fünf Menschen um Lord Byron, die in der Genfer Villa Diodati festsitzen, stellen zwar fest, dass es unaufhörlich regnet, sie postulieren sogar, sich Geschichten zu erzählen, am liebsten recht grausige, zum Beispiel eine von Frankenstein, der tötet, was er liebt. Es kommt jedoch nicht dazu, denn in dieser kleinen Gesellschaft gilt das Interesse ausschließlich der Nabelschau. Jeder ein Ich, überlebensgroß – so wie es heute, in der Selfie-Zeit, die Regel ist. Wenn überhaupt etwas verhandelt wird, dann ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Peter Hagmann
Leisten wir uns ruhig mal ein bisschen Name-Dropping. Das Stück hat es verdient. Gustav Mahler dirigierte «Dalibor» als Antrittspremiere an der Wiener Hofoper. 1897 war das – und gewiss kein Zufall. Die Titelpartie sang Hermann Winkelmann, jener Tenor, den Richard Wagner sich als ersten Parsifal nach Bayreuth geholt hatte. Schon vor Mahler hatte sich Münchens...
Herr Lazar, Sie sollen sich bereits im Alter von elf Jahren mit der Gestik und Deklamation im Barocktheater beschäftigt haben. Was um Himmels willen bringt ein Kind dazu, sich für so etwas zu interessieren?
Die Begegnung mit einer Französischlehrerin namens Isabelle Grellet, die ebenso begeistert vom Theater war, wie sie ihre Schüler dafür begeistern konnte. Ich...
Dieser Klang kommt nicht aus der Stille. Er flutscht und knallt aus den Kehlköpfen heraus, mit einer Kraft, die einen beinahe umhaut: «Tschu-Tschu-Tschu!» Und noch einmal: «Tschu-Tschu-Tschu!» Auf den kollektiven Schrei folgt ein Tanz, der das Zeug zur rituellen Orgie hat. Furios ist dieser Tanz, feurig, fetzig, völlig enthemmt; ein Vulkan aus Expressivität und...
