Weber: Der Freischütz
Die Frische historischer Musik stellt sich nicht von selbst ein. Marc Piollet hat Webers Urtext noch einmal gründlich studiert, setzt en detail neue dynamische Akzente: unprätentiös, präzise und prächtig. Dazu steht ihm ein bemerkenswert leistungsfähiges Sängerensemble zur Verfügung. In ihm profilieren sich neben Martin Homrich und Astrid Weber als Protagonisten mit beglückend leicht geführten Stimmen auch Thomas Jesatko als Kaspar ohne alle Bösewicht- Attitüden und Emma Pearson als dezent aufheiterndes Ännchen.
Um den Dreißigjährigen Krieg als Hintergrund des Stücks anzudeuten, rezitiert der Eremit zur Ouverture ein Gryphius-Gedicht. In einer Pantomime nimmt Max, dem in der Wolfsschlucht die Vision seiner verstorbenen Mutter erscheint, vorab an deren Sarg Abschied. Dieter Richters brillante Metamorphosen des deutschen Forsts ent-falten zunächst durchaus «poetische» Bilder. Doch aus den Lichtungen des Buchenwalds mit durchnummerierten Stämmen kommt deutsche Geschichte zum Vorschein – rasch schält sich heraus, dass Regisseur Dietrich Hilsdorf und sein Team die Handlung aus der Zeit um 1648 um genau dreihundert Jahre verschieben: Die Kleidung der Trümmerfrauen, die Mützen und Jacken ...
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Mit seiner Verkörperung der Titelpartie in Wieland Wagners Bayreuther Inszenierung des «Fliegenden Holländers» von 1960 hat er Maßstäbe als Heldenbariton gesetzt. Und das, obwohl Franz Crass im Jahr zuvor auf dem Grünen Hügel mit dem König Heinrich in einer Partie aus dem seriösen Bassfach angetreten war. Aber seine Ausnahmestimme erlaubte ihm den Wechsel...
«Wir lieben und ehren dich als den jüngeren, aber großen Bruder von Bruckner und Mahler», rief der junge Henze dem früh Verstorbenen 1963 liebevoll-ironisch nach. Karl Amadeus Hartmann, in bitterer «innerer Emigration» in Nazi-Deutschland verblieben, war nach Kriegsende ein nicht wegzudenkender Teil des jungen bundesdeutschen Musiklebens – als Lehrer, als Freund,...
Lange war es üblich, Opern in bearbeiteter Form zu zeigen: übersetzt, gekürzt, umgestellt, ergänzt, mit Eingriffen in Dramaturgie und Notentext. Mozart, «Verdi-Renaissance», der Kampf um die Originalfassungen des «Boris», «Hoffmann», der «Carmen» sind nur die notorischsten Beispiele. Als Reaktion formierte sich in den fünfziger Jahren die Urtext-Bewegung....
