Gepflegter Führungsstil
Nein, Claus Guths Salzburger Inszenierung von Mozarts «Figaro» habe er nicht gesehen, beteuert Paul-Emile Fourny. Und damit natürlich auch nicht jenen Cherubin, der bei Guth schweigend durch den Salon des Almaviva’schen Herrenhauses geistert. Die drei Engel, die der Intendant der Opéra de Nice nun für eine neue «Tosca» aufbietet, habe Ausstatter Louis Désiré ins Spiel gebracht.
So verfolgen in dem direkt an der Strandpromenade gelegenen 1000-Plätze-Haus drei stumme Doppelgänger das Beziehungsdreieck Cavaradossi-Tosca-Scarpia, blicken bedeutungsschwanger aus Kirche, Palazzo und Engelsburg. Doch dass ihre Gegenwart dem veristischen Melodram eine traumverlorene, surreale, gar metaphysische Note verliehen, wird man kaum behaupten können.
Von der ersten Szene in Sant’Andrea bis zur finalen Tragödie auf den Stufen des Castello sind diese Schattenwesen nicht mehr als dekoratives Additiv. Auf die libidinösen Energien jedenfalls, die die Protagonisten treiben und an denen sie zugrunde gehen, wirft das schemenhafte Trio kein neues Licht. Auch die Führung der zentralen Figuren hält sich an die Konvention, wirkt harmlos in ihrem Vertrauen auf das gestische Standardrepertoire der alten Tante ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer gehofft hatte, dass sich das seit Jahren in einem künstlerischen Tief befindliche Musiktheater in Münster in der aktuellen Spielzeit endlich zu einem Neuanfang aufraffen würde, sieht sich leider enttäuscht. Der glücklos amtierende GMD Rainer Mühlbach – ein nobler, aber in den Grabenkämpfen des Theateralltags wenig durchsetzungsfähiger Musiker – hatte nach nur...
Die Partitur von Emmanuel Nunes’ Oper «Das Märchen» hat 687 Seiten und ist mehr als einen Meter hoch. Trotzdem sind die Notenzeilen fast nur mit der Lupe zu lesen. Kaum passt auf eine Seite, was da alles gleichzeitig erklingen soll. Zur Besetzung des Orchesters gehören allein zwölf Flöten, die von vier Spielern bedient werden. Aus der Klarinettenfamilie werden...
Das Medium CD wird mehr und mehr ein Medium für Hobbybastler. Wer die Neuaufnahme von Händels «Riccardo Primo» zur Hand nimmt, findet kein Libretto im Booklet, sondern nur den Hinweis, dass sich der Text auf CD 1 im PDF-Format abrufen lasse. Nun denn. Der Ausdruck lässt sich in schmucken Ordnern abheften oder aber mühsam mit einer Schere bearbeiten, bis man das...
