Bo Skovhus (Wozzeck), Camilla Nylund (Marie) in Düsseldorf; Foto: Monika und Karl Forster
Todeszonen
Die Wanduhr steht auf 6:57. Zwei, drei, vielleicht fünf Minuten, dann wird es vorbei sein. Von der Seite schauen Wachleute ungerührt zu dem Mann herüber, der, auf einer Pritsche festgeschnallt, noch mal den Kopf hebt und verzweifelt durch das bruchsicher verglaste Fenster blickt, hinter dem eine Gruppe Zivilisten sitzt, stumme Zeugen seiner Hinrichtung. Das Rollpult mit den Ampullen ist betriebsbereit, die Schläuche zur Armvene sind fixiert. Das Gift kann fließen. Ein Justizbeamter in Westernstiefeln prüft die Zeit, während ein Geistlicher den Delinquenten nach letzten Worten fragt.
«Hopp, hopp», stammelt der, und es ist, als drücke die ganze Not seines geschundenen Lebens diese Laute nieder. Es sind die Worte, mit denen Mariens Knabe am Ende von Alban Bergs Büchner-Oper auf dem Steckenpferd zur toten Mutter reitet. Hier sind es Wozzecks Worte.
Stefan Herheim und sein Dramaturg Alexander Meier-Dörzenbach rollen das Drama gleichsam von hinten auf. Als rasenden Film, der im Moment des Sterbens abläuft. Kopfkino aus der Todeszone. Die Streicher der Düsseldorfer Symphoniker setzen gerade zum ersten, abschüssigen Glissando an, die Holzbläser zum sprunghaften Geplapper, das die ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrcht Thiemann
Wenn im Dunstkreis Richard Wagners von Architektur die Rede ist, fällt zwangsläufig der Name Gottfried Semper: Mit dem Freund aus Tagen des Dresdner Mai-Aufstands teilte Wagner nicht nur das Schicksal des Exilanten. Gemeinsam hatte man viel über ein Festspielhaus der Zukunft nachgedacht. Sempers monumentaler Entwurf für München wurde bekanntlich nicht umgesetzt....
Schrekers Süffigkeit macht süchtig. Jedenfalls dann, wenn die fiebrig-nervöse Gespanntheit dieser Musik in all ihrer schwülen Salome-Sinnlichkeit so passionsprall ausmusiziert wird wie im Theater Lübeck. Dort knüpft Andreas Wolf als kommissarischer Generalmusikdirektor an die Zeiten an, als Roman Brogli-Sacher das Zepter schwang und dem Opernhaus – nicht zuletzt...
JUBILARE
Jiří Kout wurde 1937 in Novedvory bei Prag geboren. Er studierte am dortigen Konservatorium Orgel und Orchesterleitung, gewann die Internationalen Dirigentenwettbewerbe von Besançon (1965) und Brüssel (1969). Danach war er zunächst an der Pilsener Oper tätig, ehe er 1969 als Kapellmeister ans Nationaltheater nach Prag ging. Mit dem Orchester unternahm er...
