Lustig, lustig
Je unpoetischer eine Nation oder Zeit ist, desto leichter sieht sie Scherz für Satire an, so wie sie umgekehrt die Satire mehr in Scherz verwandelt, je unsittlicher sie wird.» Jean Pauls Diktum aus seiner «Vorschule der Ästhetik» sollte allen Theatermachern zu denken geben, denen die Komödie und die Opera buffa am Herzen liegen. Nichts ist hier so, wie es zu sein scheint. Dies gilt auch, ja in gesteigertem Maße für Rossinis «Reise nach Reims». Schrieb doch der politisch liberale Italiener die Oper ausgerechnet zur Inthronisierung des reaktionären Franzosen Karl X.
Um Konflikten auszuweichen, reihten er und sein Librettist revueartig einen Spaß an den anderen. Aber dem schwachen Text liegt ein raffinierter Plot zugrunde: Mehrere Adlige aus verschiedenen Ländern, die 1825 zur Krönung Karls X. nach Reims wollen, bleiben in den Vogesen in einem Kurhotel hängen, wo es keine Pferde zur Weiterreise gibt. Die hochgestimmte Erwartung geht in Warten und Langeweile über, bis man schließlich eigenhändig ein Fest arrangiert. Zwar lobpreist die Gesellschaft am Ende den neuen Herrscher, aber der tritt nicht in Erscheinung – eine Krönungsoper ohne gekröntes Haupt mithin, eine subtile ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Volker Tarnow
Søren Kierkegaard war nicht nur ein begnadeter Philosoph und ausgefuchster Menschen(schwächen)kenner, er besaß zudem eine tiefe Neigung für die Kunst, speziell die Musik. Mit Blick auf den «Don Giovanni» prägte Kierkegaard in seinem geschichtsphilosophischen opus magnum «Entweder – Oder» den Begriff des «Sinnlich-Genialen» – nicht ohne einzuschränken, die...
Die einen wollen nichts sehen – gründen gar eine ganze Familienkultur darauf. Am deutlichsten wird das im vierten Akt, als Arkel die schöne Mélisande ganz und gar ungroßväterlich auf den Mund küsst, als wollte er ihr die Jugendfrische aus dem Leib saugen: «Hast du Angst vor meinen greisen Lippen?» Da legen die Umstehenden, wie so oft in Stefan Herheims...
Mit den ersten Moll-Akkorden der Ouvertüre, den prominent auffahrenden, in diesem Werk so wichtigen Paukenwirbeln, ist alles entschieden: Es sollte ein orchestral phänomenaler Premierenabend in Frankfurt werden. Antonino Fogliani, der mit kreisender, aber deutlicher Gestik an gute alte italienische Kapellmeistertradition erinnerte, an Dirigenten wie Giuseppe...
