Valse triste
Es las sich wie eine Verheißung: «Lucia di Lammermoor» ungekürzt, mit neu durchdachten Verzierungen; die Wahnsinnsszene nicht wie üblich als Duett zwischen Flöte und Sopran, sondern mit Glasharmonika (wie von Donizetti vorgesehen). Dazu eine Begegnung der überfälligen Art: Belcanto meets Regie. Und Ensemblegeist. Kein Bahnhof herumreisender Kehlkopfakrobaten, keine pseudo-schottisch auskostümierten Auf- und Abtritte, sondern ein Sich-Verhalten zu einer Musik, die uns – allen Ohrwurmqualitäten, allem Callas-Mythos und Gruberova-Kult zum Trotz – doch sehr fern ist.
Dass die so viel versprechende Hamburger «Lucia»-Premiere enttäuschte, lag an mehreren Faktoren, die – je länger der Abend, desto mehr – ineinander griffen. Simone Young wedelte zwar viel (mal grazil, mal feldherrenhaft) mit Oberarmen und Händen, aber sie konnte doch kaum vermitteln, was diese Musik mehr als alles andere braucht: eine geerdete rhythmische Souveränität, die erst die Basis für melodische Entfaltung und Freiheit schafft. Hamburgs Staatsopernchefin war pausenlos um Kontrolle bemüht, genauer: um schlichte, musikalische Kongruenz zwischen Orchester und Bühne, und sie musste das sein, weil sich kaum ein Tempo und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Darmstadt wurde Orffs «Gisei» aus dem Jahre 1913 uraufgeführt - Anmerkungen zu diesem «jugendlichen Schiffbruch», wie Orff selbst sein Frühwerk bezeichnete, finden Sie hier.
Kein Blatt vor den Mund nahm Bernd Loebe, Intendant in Frankfurt, im Interview. Einige Highlights finden Sie hier.
Israel und das Westjordanland besuchte Opernwelt-Redakteur Albrecht...
Wenn der lange Zeit vergessene (vielleicht auch verdrängte), dabei außerordentlich produktive Siegfried Wagner als Komponist mehr und mehr wieder wahr- und vor allem ernst genommen wird, ist das vor allem ein Verdienst des Regisseurs Peter P. Pachl, des Dirigenten Frank Strobel und des Labels Marco Polo, das deren fast durchweg auf freier Basis realisierten...
Jüngere Auseinandersetzungen mit Puccinis «Madama Butterfly» verzichten meist auf Exotismus und Couleur locale. Christof Nel legte in Frankfurt seinen Schwerpunkt auf die Kindfrau-Thematik, Calixto Bieito interessierte sich in Berlin für das davon nicht so weit entfernte Thema Sextourismus, Jarg Pataki erzählte in Freiburg die Geschichte aus der Perspektive des...
