Schotten ohne Schotter
Geiz ist doch geil! Bei seiner Inszenierung von François Boieldieus «Die weiße Dame» spart Axel Köhler ein Drittel der schottischen Schauerkomödie – und tut damit das einzig Richtige. Um die 1825 uraufgeführte opéra comique für das Publikum von 2008 zu retten, muss man rigoros in Libretto und Partitur eingreifen.
Also ersetzt der als Countertenor wie Regisseur doppelt begabte Köhler die langatmigen Dialoge durch eine Kunstfigur: Als sprechende Statue zurechtgeschminkt, führt der Schauspieler Matthias Hinz alias Eugène Scribe durch die Handlung, rafft, erklärt und kommentiert ironisch das krude Geschehen in den Highlands. Zudem wird alles, was Boieldieu musikalisch arg dünn geraten ist oder was er – vor allem in den Ensembles – allzu breit getreten hat, mutig eliminiert. Heraus kommt ein höchst kurzweiliger, in Eindreiviertelstunden pausenlos durchgespielter Abend im Schlosstheater.
«Die weiße Dame» passt perfekt zu Siegfried Matthus’ «Kammeroper Schloss Rheinsberg»: nicht nur wegen der Parallelen zum Ort der Handlung – einem von der liebenswert-naiven Dorfbevölkerung hoch geschätzten Anwesen –, sondern vor allem auch, weil die Gesangspartien dieses Werks ideal für junge, ...
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