Im Praxistest
Die Auffrischung des Kanons durch neue, spielbare und vor allem verständliche Opern ist Siegfried Matthus eine Herzenssache. Seit vielen Jahren rührt der Komponist die Trommel, um seiner Forderung nach repertoiretauglichen Stücken öffentlich Gehör zu verschaffen. Nicht nur an die Blütenträume der eigenen Schöpferseele, sondern auch an die Theaterpraxis und ein bisschen auch ans Publikum denken, lautet seine Devise.
Um gleichsam am lebenden Objekt zu zeigen, was er meint, hat Matthus im brandenburgischen Rheinsberg vor ein paar Jahren eine Werkstatt für junge Tonsetzer und Librettisten angestoßen. Die Grundidee: Talent ist nicht alles, zum Musiktheater gehört auch Handwerk, und das sollte unter Realbedingungen erlernt werden. So wie die Nachwuchssängerinnen und -sänger das tun, die allsommerlich für die «Kammeroper Schloss Rheinsberg» eingeladen werden, um im Schatten von Friedrichs idyllischem Kronprinzenschloss Bühnenluft zu schnuppern. Eine Art Opernstudio auf dem Lande also, bei dem weniger das hochfliegende Experiment als ein bodenständiger Sinn fürs Machbare im Vordergrund steht.
Was nicht heißt, dass Matthus Kühnes prinzipiell meidet: Zum Auftakt der 19. Saison des seit 1991 ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frieder Bernius ist immer für eine Überraschung gut. Vor Kurzem erst holte er Schuberts unbekannte Oper «Sakontala» ans Licht, nicht lange danach legte er mit der Uraufführung von Justin Heinrich Knechts «Die Aeolsharfe» nach, die vor genau 200 Jahren in Stuttgart entstanden und seither im Archiv verstaubt war. Auch diese Ausgrabung liegt nun beim Label Carus auf...
Während der ersten Takte seiner Canzonetta schnüffelt Don Giovanni an einer langstieligen roten Rose, trägt sie ins Parkett und baut sich vor einer älteren Dame in der ersten Reihe auf. Ihr ist der Anfang der ersten Strophe gewidmet. Während das Publikum hinten zu glucksen beginnt und der plötzlich Umworbenen Röte ins Gesicht steigt, ist der große Verführer schon...
Vor Danzigs neuester und bewegendster Sehenswürdigkeit halten keine Touristenbusse. Überhaupt kommen kaum Leute dorthin. Vor den Wällen der alten Stadtbefestigung, eingekeilt zwischen Busbahnhof und Stadtautobahn, liegt der «Friedhof der nichtexistierenden Friedhöfe». Ein kleines Stück Ruhe inmitten des Verkehrsgetümmels. Buchen und Eichen, dazwischen Steinsäulen,...
