Killerspiel
Der «Ring»-Zyklus der Vlaamse Opera geht auf die Zielgerade zu. Und im Verlauf der dritten Etappe, im «Siegfried», ist nun deutlich geworden, dass Wagners Götter- und Menschensaga hier ganz im Bann der Cyber-Ära steht. Zur Erinnerung: Das «Rheingold» spielt in einer Server-Zentrale, der Schatz selbst ist ein Superchip. Wotan leitet eine Computerfirma, die wie Bill Gates die virtuelle Welt beherrscht. Auf der Verliererseite finden sich die Wälsungen, sie fristen – wie andere Ausgestoßene – ihr Dasein in einer U-Bahn-Röhre.
Oben und unten sind klar getrennt, wie in Wagners Zeiten.
Auch Siegfried gehört zu den Opfern dieser gnadenlosen, indifferenten Profitgesellschaft. Mime, sein liebloser Ziehvater, handelt mit gebrauchten, vermutlich gestohlenen PC-Teilen. Siegfried schlägt die Zeit in Chatrooms tot, lernt dort die Techniken der Gewaltanwendung kennen, verliert nach und nach den Sinn für die Wirklichkeit. Mord und Totschlag sind für ihn ganz normal. Einmal richtet er den Lauf seiner Kalaschnikov auf eine Webcam – eine Drohgebärde, die sich auf zahlreichen Bühnenmonitoren vervielfacht. Auch auf Mimes Schirm taucht sie auf – und erschreckt ihn zu Tode. Es ist, als ob der junge ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist einer der unvergesslichen Momente der Filmgeschichte: wie sich ganz am Ende von Lewis Milestones «Im Westen nichts Neues» (USA 1930) ein Arm der Hauptfigur weit aus dem Schützengraben reckt, um einen Schmetterling zu fassen – und der Held dabei erschossen wird.
Kenneth Branagh zitiert dieses Bild zu Beginn seiner Verfilmung von Mozarts «Zauberflöte» nicht...
Die Erkenntnis, dass Giuseppe Verdi nicht nur ein großer Komponist, sondern auch und vor allem ein großer Theatermann war, dem man nicht mit sängerfreundlichen Pauschal-Arrangements beikommen kann, hat sich mittlerweile auch in seiner Heimat durchgesetzt. Zumindest die Bühnen, die international ernst genommen werden wollen, haben in den letzten Jahren entschiedene...
Die Badenutten in ihren weißen Frotteetüchern könnten den Abend genießen, doch die Störung ist eingeplant. «Wo bleibt Elektra? Ist doch ihre Stunde...» Vorsichtig spähen sie eine gekachelte Wand hinunter, in ein trocken gelegtes, mit Blumenerde gefülltes Becken. Dort tut sich zunächst gar nichts. Erst später hört man eine Stimme nach Agamemnon rufen, den...
