Netzwerker
Er kannte von Berufs wegen Gott und Jedermann. Aber richtige Freunde? Enge Vertraute? Für Gustav Mahler eher die Ausnahme. «Damit soll Mahler jedoch nicht als berechnender Egoist und keiner dauerhaften, wirklichen Freundschaft fähig charakterisiert werden. … [Es war] für ihn einfach unmöglich, die zahlreichen Kontakte dauerhaft zu pflegen, unabhängig von persönlichen Sympathien» – so beschreiben es Helmut Brenner und Reinhold Kubik im Vorwort ihres neuen Buches «Mahlers Menschen».
Statt in der einschlägigen Mahler-Literatur hinlänglich bedachter Namen wie Bruno Walter und Richard Strauss begegnen uns hier vor allem Personen, die dort meist nur am Rande auftauchen. Zum Beispiel die Sängerin Rosa Papier, die von 1881 bis 1890 an der Wiener Hofoper auftrat. Die Entwicklung von Mahlers Beziehung zu ihr tritt markant hervor im Wandel der geradezu verräterischen Anredeformen: «Spricht Mahler am Beginn die Kammersängerin etwa mit ‹Hochverehrte gnädige Frau› an und zeichnet als ‹Ihr in Verehrung wahrhaft ergebener Gustav Mahler›, so werden Anrede und Gruß zunehmend vertrauter, über ‹Liebste, verehrte Freundin› und ‹In treuester Freundschaft Ihr Gustav Mahler› … Als das Ziel erreicht ist ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Christoph Vratz
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