Auf dem Drahtseil
Christiane Karg im Netzkostüm, mit ermattet geschlossenen Augen, die rechte Hand in Verzweiflungsgeste vors Gesicht geführt: So präsentiert sich das Cover ihrer neuen CD. Das Booklet verheißt «Ausnahmezustände im Angesicht von Zerstörung und menschlicher Niedertracht. Abschiede, die einem das Herz zerreißen». Vor allem die verlassene Geliebte. «Eines ist Verlassenheit, ein anderes Einsamkeit», schreibt Nietzsche in «Also sprach Zarathustra». Denn Einsamkeit heißt Fremdheit auch unter Menschen.
Die verlassene Geliebte andererseits, die – ihrer Verzweiflung anheimgegeben – an den Rand des Wahnsinns gerät oder ihm gar verfällt, ist keineswegs einsam; der Geliebte ist ihr stets gegenwärtig, wenn auch als Objekt des Hasses. Auf jeden Fall ist dies ein dramatischer Topos des 18. Jahrhunderts, Thema zahlreicher Monodramen jener Epoche, die ihre Spur über die Wahnsinnsszenen der romantischen Oper des 19. Jahrhunderts und Wagners große Frauen-Monologe bis hin zu Schönbergs «Erwartung» ziehen.
Am Anfang – und zugleich im Mittelpunkt – von Christiane Kargs Album steht «Ah, perfido», Beethovens große Konzertszene für Sopran, die sich auch Maria Callas, Kirsten Flagstad und Birgit Nilsson ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Gerhard Persché
Herr Eröd, wie lernt sich eine solche Partie?
Es braucht schon seine Zeit. Interessanterweise handelt es sich aber um eine Musik, die einen irgendwann zu einem Punkt führt, ab dem alles sehr logisch wirkt und daher Spaß macht.
Sind Sie ein Schnelllerner?
Ich war einer. Aber offensichtlich ist das eine Frage des Alters (lacht). Ich mache diesen Job jetzt 20 Jahre....
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