Durchkomponiert
Spätestens seit Achim Freyers Stuttgarter Inszenierung von 1980 war gelegentlich zu hören, Carl Maria von Webers «Freischütz» könne man nicht mehr inszenieren. Freyers karikierende Putzigkeit mit Trachtenjungfern, Stofftieren und faschistoiden Sepplhosendeppen schien dieser Art von volkstümlicher Romantik endgültig den Garaus gemacht zu haben. Inzwischen hat aber nicht nur der Spielfilm von Jens Neubert, der das Geschehen in der Zeit der napoleonischen Befreiungskriege ansiedelt, der Oper Facetten jenseits der üblichen Ideologiekritik abgewonnen.
Auch die aktuelle Produktion des Stadttheaters Bern eröffnet dem Werk neue Perspektiven, und das hat vor allem mit der musikalischen Bearbeitung durch Mario Venzago zu tun.
Der Chefdirigent des Berner Sinfonieorchesters, das auch das Theater bespielt, ersetzte die Sprechdialoge durch die Rezitative, die Hector Berlioz 1841 zur Aufführung in der Pariser Opéra komponiert hatte; aus der deutschen Rückübersetzung und dem Original destillierte er neue Texte, fügte sie mit den ebenfalls überarbeiteten Rezitativen von Berlioz zusammen und komponierte noch einiges dazu. Herausgekommen ist mehr als ein Kuriosum. Aus der singspielhaften Folge von ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Max Nyffeler
Das Gold glänzt, doch sein Glanz ist trügerisch. Hinter dem schönen Schein verbergen sich unselige Machtspiele: die Heuchelei der Kirche, die Selbstherrlichkeit des Militärs, die unzählige Opfer fordert. Damit die Fassade schön strahlt, wienern Reinigungskräfte mit Wischmob, Staubwedel und Putztuch an Tempel und Palast herum. Immer, wenn sich der Vulkantempel dreht...
Der Cowboy, der uns in der Steppe rund hundert Kilometer vor der Hauptstadt entgegenkommt, spricht russisch. Er könnte aus einem Bilderbuch stammen oder aus einem anderen Jahrhundert. Das naturgegerbte Gesicht, schwarze Lederjacke, die mit dem Pferderücken verwachsene schlanke Gestalt. So stellt man sich jemand vor, der mit Lasso, Hund und Reitkünsten in...
Eine New Yorker Polizeischule mag ein ungewöhnlicher Ort sein, um die Frage «Was ist Kunst?» zu erörtern – eine Frage, die Paul Hindemith einst an seine drei Komponistenkollegen Darius Milhaud, Ernst Toch und Kurt Weill gerichtet hatte. Aber für die Gotham Chamber Opera erwies sich das intime Gerald W. Lynch Theater im John Jay College of Criminal Justice in...
