Nach Strich und Segen

Stradella: Santa Pelagia Nepi / Dom

Opernwelt - Logo

Es bietet weder Drama noch Handlung im eigentlichen Sinn: Der Typus des geistlich-erbaulichen Oratoriums gehört nicht gerade zu den Favoriten des heutigen Publikums, selbst wenn man ihm Meisterwerke wie Alessandro Scarlattis «La Santissima Trinità» (vor 13 Jahren von Fabio Biondi und Europa Galante wiedererweckt) oder «Il trionfo del tempo e del disinganno» des jungen Händel zuschlägt, die es heute öfters auf die Bühne schaffen.

Alessandro Stradellas vermutlich 1671 in Rom komponierte «Santa Pelagia» behandelt einen Stoff, der an Händels «Trionfo» erinnert: die Wandlung einer schönen Lebedame in eine demütige Dienerin Gottes, begleitet wird der Prozess von heftigen Wortwechseln allegorischer Figuren. Der unbekannte Autor des Librettos bemühte hier die Legende der Pelagia, die im 5. Jahrhundert in Antiochien den lockeren Sitten frönte, bis Nonnus, der Bischof von Edessa, sie taufte, worauf sie sich nach Jerusalem begab, um dort bis zu ihrem Tod als Einsiedlerin Buße zu tun. Zuletzt ist das Stück in Turin (2007) und Modena (2014) wieder aufgeführt worden. Doch jetzt kam zum ersten Mal eine revidierte Fassung zum Einsatz, die drastisch von der einzigen, in der Biblioteca Estense ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Carlo Vitali

Weitere Beiträge
Ein Hauch Zukunft

Darmstadts Intendant Karsten Wiegand hatte unlängst zwei große künstlerische Erfolge mit Luigi ­Nonos «Prometeo» und Georg Friedrich Haas’ «Koma». Unerschrocken arbeitet er daran, die Tradition der «Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik» im Theater weiterzutragen. So ließ er die neue Spielzeit mit zwei aus einem Wettbewerb hervorgegangenen Mini-Opern unter dem...

Lettisches Liederbuch

Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert war keine musikalische Gattung für die musikalische Identität einer Nationalkultur wichtiger als das Lied. Dies gilt auch für das seit der Hanse mit der deutschsprachigen Kultur eng verwobene Baltikum. Mit den poetischen Inhalten und der kleinen Form war es weitaus leichter, einen größeren Kreis zu erreichen als etwa mit...

Mal hier, mal dort

Gerade als Gilda ihre Seele aushauchen will, fährt in einiger Distanz ein Zug vorbei, pflügt akustisch diskret durch das Dolcissimo von «Lassù in ciel». Schlimm ist das nicht. Die klug konzipierte, die Bühne fast hermetisch umschließende Zuschauerarena legt Außengeräuschen den Finger auf die Lippen. Überdies trotzt die Chinesin Sen Guo als Gilda den gedämpft...