Editorial April

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«Learning from Las Vegas» heißt das Buch, mit dem der amerikanische Architekt ­Robert Venturi 1972 den Wertekanon der klassischen Moderne angriff. Schon der ­Titel war eine Provokation. Er verhieß eine Feier der bunten Oberfläche, des fluoreszierenden Ornaments, der neonflammenden Fassade. Er richtete sich vor allem gegen die Bauhaus-Kultur, die (von deutschen Immigranten wie Mies van der Rohe und Walter Gropius propagiert) die Debatten um das neue Bauen dominierten.

Den Anspruch, dass Architektur, ästhetisch wie moralisch, Maßstäbe setzen könne, dass sie Ordnung ins Chaos der Städte bringen solle und zu einem besseren Leben beitrage, das alles empfand Venturi als Anmaßung. Er setzte dagegen – und auf das freie Spiel real existierender Gebrauchsformen. Deshalb der sympathisierende Blick auf die Spielerstadt in Nevada, diese gigantische Leuchtreklame, den grellen Zauber der Casinos und Hotels am Strip.

So gesehen, ist der Met-Konzern heute das Las ­Vegas der Opernszene. Das betrifft vor allem jene allgegenwärtige Schaustellermentalität, die bis in die Programm- und Besetzungspolitik reicht. ­Peter Gelb, Chef der Metropolitan Opera, ein Mann des Verkaufs und des Vertriebs, hat es ...

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Opernwelt April 2013
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch & Albrecht Thiemann

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