Editorial
Fast jede Woche treffen in der «Opernwelt»-Redaktion Anfragen nach Medien-partnerschaften ein. Ein Zeichen der Zeit: Veranstalter wollen sich mit einem Medium verbünden, das sie ihrerseits angemessen zu präsentieren versprechen. Synergie heißt das Schlagwort, oder besser: Jeder soll was von dem Deal haben. Natürlich begegnet die Redaktion einer unabhängigen Zeitschrift solchen Anfragen grundsätzlich mit Skepsis.
Jetzt allerdings haben wir eine Ausnahme gemacht und das sogar sehr gern: Gemeinsam mit «Opernwelt» präsentieren die Bregenzer Festspiele ihren Programm-
schwerpunkt zu Mieczyslaw Weinberg (1919-1996). Dieser polnisch-jüdische Komponist wurde von Kollegen wie Schostakowitsch und Sofia Gubaidulina geschätzt und hatte es trotzdem sein Leben lang schwer. Seine Familie wurde in Warschau von den Nazis ermordet; in die Sowjetunion geflohen, wurde er dort von Stalin verfolgt, kaum gespielt, schnell vergessen. Eine überfällige Wiederentdeckung also, zu der der Themenschwerpunkt dieses Heftes einen Beitrag leistet. Weinbergs zentrale Oper «Die Passagierin» wird übrigens nach Bregenz auch in London, Madrid und Warschau zu erleben sein.
Auch sonst blickt dieses Heft auf den gerade ...
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Rauch. Tabakrauch. Das Licht im Zuschauerraum des Rokokotheaters Schwetzingen ist noch angeschaltet, da legt sich der beißende Geruch über die ersten Stuhlreihen. Als der Vorhang sich hebt, fällt der Blick auf den Rücken eines Mannes, der mit seiner Hornbrille spielt und Zigarre raucht. Die grauen Schwaden lassen seine Kindheit auferstehen – ein Junge, der auf dem...
Wenn ich mich an Mieczyslaw Weinberg erinnere, an seine Musik und seinen Einfluss auf meine Generation, so kann ich mich eines gewissen Schuldgefühls nicht erwehren. Natürlich hätte ich mich aktiver darum bemühen können, diesen großen und ungewöhnlichen Musiker öfter zu treffen, doch meine Schüchternheit hinderte mich daran. Eigentlich hatte ich nur eine einzige...
Gerade weil er so weltfremd wirkt, ist Don Quichotte der Welt seit einem halben Jahrtausend nah. Was er sagt und denkt, mag illusionistischer Blödsinn sein, sein Wirklichkeitsausschnitt naiv, seine Hoffnungspalette dümmlich. Trotzdem steckt darin mehr Wahrheit und Wirklichkeit als in vielen realistischen Diagnosen. So wuchs die Figur zum Mythos: offen für viele...
