Goldkehlchen
Ob die Erkenntnis, alles sei schon mal dagewesen, tatsächlich vom legendären Rabbi Akiba ben Josef stammt, wissen wir nicht. Eher anzunehmen, dass der Dramatiker Karl Gutzkow ihm diesen Spruch in den Mund gelegt hat. Auf jeden Fall erleben wir beim Betrachten der Inszenierung von Verdis «Luisa Miller» aus dem Opernhaus zu Malmö ein solches Déja-vu.
Denn das Bühnenbild mit den brutal zugreifenden Riesenhänden, Symbole rücksichtloser Macht, die Menschen und Gefühle quasi erwürgt, hat man ähnlich bereits gesehen: Im März 1981 schuf der damals noch ausschließlich als Bühnenbildner tätige Marco Arturo Marelli in Mannheim eine solche Szenerie für Hans Neugebauers Inszenierung. Dass Stefano Vizioli, Regisseur der nun auf DVD vorliegenden Produktion von 2012 aus Malmö (er gab sein Regiedebüt 1979 in Italien) und Bühnenbildner Cristian Taraborrelli sich an der Mannheimer Inszenierung orientierten, scheint unwahrscheinlich; es ist nur kurios, wie die szenischen und musikalischen Botschaften des Werks auf so ähnliche Bildfantasien hinauslaufen können. Die Stärke dieser Aufführung liegt freilich vor allem in der musikalischen Interpretation; die Sängerbesetzung stünde grosso modo selbst den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché
Wer sich selbst sehen will, braucht einen Spiegel. In der Oper war die Historisierung schon früh ein Mittel, die eigene Gegenwart in den Blick zu bekommen. Geschichtliche Distanz spornt an zur Selbstdeutung – als Eigenleistung des Zuschauers, nicht als Diktat des Autors. Darin lag der Sinn von Stoffen aus fernen Ländern und Zeiten. Der Theologe und Dichter...
Titel, Untertitel und Klappentext von Leon Botsteins Buch führen den Interessenten in die Irre. Die sechs Aufsätze des renommierten amerikanischen Dirigenten und Musikwissenschaftlers handeln nicht von «Macht und Ohnmacht der Musikgeschichte», wie der Verlag insinuiert, sondern sind einlässliche rezeptionsgeschichtliche Studien zu Beethoven, Schubert, Brahms,...
Seiner Natur und Geschichte nach war das deutsche Lied lange Zeit schüchtern, sensibel und kontaktarm, die Kunstform einer in sich verkapselten, nur bedingt gesellschaftsfähigen Innerlichkeit. Doch das änderte sich spätestens mit Richard Strauss, der sich weniger an Schubert, Schumann und Brahms orientierte, sondern vielmehr an den Konzertliedern von Franz Liszt...
