Shoot-out in Missouri

Klagenfurt | Weber: Der Freischütz

Opernwelt - Logo

Im Wald, da sind nicht nur, halli, hallo, die Räuber. Sondern auch die Phantome der deutschen romantischen Fantasie, zwielichtige Wesen wie Undine, Fafner, die Knusperhexe, Samiel. Der Wald ist ja, wenn man Elias Canetti glauben will, gerade für Germanen ein magischer Ort: «Das Rigide und Parallele der aufrecht stehenden Bäume, ihre Dichte und ihre Zahl erfüllt das Herz des Deutschen mit tiefer und geheimnisvoller Freude...»

Canettis Satz findet sich im Programmheft zu Anna Bergmanns Inszenierung des Weber’schen «Freischütz» am Klagenfurter Stadttheater.

In besagtem Heft liest man auch Hans Pfitzners Bemerkung, der «deutsche Wald im Sonnenglanz, von Hornklängen und Jagdlust belebt», sei die eigentliche Hauptperson dieser Oper. Doch dienen die erwähnten Zitate eher als Diskussionsbasis zur Klärung der Frage, warum dies alles bei Anna Bergmann eben nicht stattfindet. Man sieht ein Village wie aus amerikanischen Horrorfilmen, irgendwo im ländlichen Nirgendwo verloren, mit fremdenfeindlicher, bigott-fundamentalistischer, waffennärrischer, gewalttätiger und bekiffter Einwohnerschaft. Ben Baurs Drehbühne spiegelt ein Kaleidoskop des Dorfalltags, mit Winkeln und Kammern und einem Platz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Domingos 140. Partie

«I due Foscari» ist, obgleich relativ selten aufgeführt, ein Verdi-Werk von Gewicht, und das aus mehreren Gründen: Unter anderem lotet der Komponist hier erstmals die Dynamik von Eltern-Kind-Beziehungen aus; zum anderen gehört die Oper – wie auch Lord Byrons Drama, auf dem sie basiert – zu den ersten Kunstwerken überhaupt, die das populäre Bild Venedigs als Ort...

Editorial November

Erinnert sich noch jemand? Als im April 2007 die ersten Bautrupps anrückten, um auf dem Dach eines alten Hafenspeichers die neue Elbphilharmonie zu errichten, war Hamburgs Bürgerschaft mächtig stolz. Die von den Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron entworfene Glaswelle auf historischem Ziegelsockel sollte für Weltgeltung sorgen, vergleichbar dem Opernhaus...

Auf Montage

Nach Gerard Mortier (2002-2004), Jürgen Flimm (2005-2007) und Willy Decker (2009-2011) ist Heiner Goebbels der vierte Intendant, der bei der Ruhrtriennale die Leitlinien einer «Ästhetik auf drei Jahre» vorgibt. Ungleich rigider als seine Vorgänger hat der umtriebige Komponist, Hörspielmacher und Hochschulprofessor mit dem diesjährigen Programm gleich das ganze...