Blond in Nagasaki
Wenn in «Madama Butterfly» Fetzen der amerikanischen Nationalhymne erklingen, hält das Publikum sie stets für den Herkunftsnachweis von Pinkerton, der als US-Marineoffizier das Herz der kleinen Cio-Cio-San bricht. Die Kölner Neuinszenierung von Patrick Kinmonth beweist, dass sie auch für Butterfly eine Sehnsuchtsmelodie sind. Die Oper ist ja eine getarnte Parabel über verzweifelte Assimilierung. In Köln ist Cio-Cio-San eine Frau, die alles tut, um Pinkertons Idealen zu entsprechen.
Sie hält sich nicht nur für eine Gattin nach amerikanischem Recht und hat den christlichen Glauben angenommen, sie setzt auch eine platinblonde Perücke auf und hat sich einen wuchtigen amerikanischen Kühlschrank zugelegt. Pinkerton soll es haben wie daheim – das ist der naive Glaube einer Fünfzehnjährigen, die nicht begreift, dass Pinkerton das erotische Abenteuer als frivole Beugung des Rechts angelegt hat. Der verzweifelte Konsul Sharpless ahnt es von Beginn an.
Der Kühlschrank steht in einem hölzernen Guckkasten (Darko Petrovic), der sich durch mobile Trennwände nach hinten öffnen lässt und den Blick auf japanische Blütenpracht, feinen Nieselregen oder öde Gegend freigibt – und auf einen kahlen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Regisseurinnen haben ihre eigene Sicht auf Beethovens «Fidelio». Vom nationalen Pathos der «Rettungsoper» lassen sie sich kaum einschüchtern und interessieren sich stark für die Frauen Leonore und Marzelline, deren Identität im patriarchalisch geführten Staatsgefängnis von Sevilla auf eine harte Probe gestellt wird. Amélie Niermeyer, seit zwei Jahren...
Es gibt ein erhellendes Beispiel für die Utopie, die Illusion einer «Hölderlin-Oper». Eine solche Oper sollte und wollte der Münchner Komponist Wilhelm Killmayer vor zwei Jahrzehnten im Auftrag der Bayerischen Staatsoper schreiben. Das Projekt zog sich in die Länge, und irgendwann hatte sich Killmayer nach vielen ästhetischen und inhaltlichen Skrupeln eines...
Verdis selten gespielte Oper «I masnadieri» nach Schillers aufrührerischem Jugenddrama «Die Räuber» entstand gleichzeitig mit «Macbeth». Allein schon die Nachbarschaft zum finstersten Melodramma der italienischen Opernromantik müsste aufhorchen lassen. Das Libretto des mit Verdi befreundeten Schiller-Übersetzers Andrea Maffei, der auch beim «Macbeth» die Hand im...
