Bescheiden

Mozart aus Baden-Baden: «Le nozze di Figaro» unter Yannick Nézet-Séguin

Opernwelt - Logo

Der Mozart-Zyklus aus Baden-Baden wächst. Das Prinzip «Ereignis» wird von den Produzenten auch für «Le nozze di Figaro», den vierten Teil des Projekts, reklamiert: Große Namen der Branche kommen kurz zusammen, um als Ensemble Bedeutendes zu erreichen.

Das künstlerische Ergebnis indes bleibt, gemessen an den hochgezüchteten Erwartungen, durchaus überschaubar: viel Gutes, wenig Neues, kaum Herausragendes. Dass Yannick Nézet-Séguin mit dem Chamber Orchestra of Europe einen vitalen, nervösen Mozart-Ton erzeugen kann, beweist auch diese Aufnahme.

Doch fragt man sich, zumal nach den Produktionen unter Teodor Currentzis oder René Jacobs, warum das Orchester hier unbedingt «historischer», also schärfer, spitzer klingen will als ein Ensemble mit alten Instrumenten. Der kanadische Dirigent leistet sich die eine oder andere Übertreibung, ob einstudiert oder spontan eingestreut, sei dahingestellt. Rund, organisch gewachsen wirkt das Ganze nur bedingt. Die orchestralen Höhepunkte markieren eher Momente der Innerlichkeit, wenn einzelne Instrumente sich zum kammermusikalischen Stelldichein verabreden und mit den Sängerstimmen vereinen.

Dass man die Rezitative durch forsche Spiel- und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Christoph Vratz

Weitere Beiträge
Danse Macabre

Seit David Pountney die durch einen Roman der polnischen Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz inspirierte «Passagierin» 2010 bei den Bregenzer Festspielen auf die Bühne brachte, hat das Werk des Komponisten Mieczyslaw Weinberg eine erstaunliche Renaissance erfahren. Die Bregenzer Produktion war u. a. in Warschau und New York zu sehen, die Oper Frankfurt und das...

Leid und Freud, mit Hasen

Der Hase, lepus, leporis. Der Deutschen liebstes Tier. Zumindest an der Wand. Als Kopie von Albrecht Dürers Aquarell hängt er in tausenden Haushalten von Garmisch bis Flensburg, ringt mit den «Betenden Händen» des nämlichen Künstlers um Platz eins auf der Beliebtheitsskala. Er gilt als Symbol für Lebenskraft, sexuelle Energie und Fruchtbarkeit, steht aber auch für...

Mitgefühl? Nicht vorgesehen

Giacomo Puccinis «La Bohème» ist die Geschichte einer Enttäuschung, die mit dem antibürgerlichen Eklat beginnt und mit der Flucht vor der Realität des Todes endet ‒ eine hymnische Feier der Jugend und deren rüde Entzauberung. Und weil die couleur locale der Oper so pariserisch ist wie wohl nur noch in Gustave Charpentiers «Louise», hat Jens-Daniel Herzog in seiner...