Eine Frage der Balance

Claus Ambrosius über Wagners «Tristan und Isolde» in Kassel und Koblenz

Opernwelt - Logo

Nach jahrzehntelangem Mo­dernisierungsstau in punc­to Sicherheit und Bühnentechnik gingen 2004 im Hessischen Staatstheater Kassel die Lichter aus: Eine Generalsanierung war gefragt. Zweieinhalb Jahre später feierte man im für 36 Millionen Euro rund­erneuerten Haus die Premiere von «Tristan und Isolde» – eine Wiederbegegnung mit gemischten Gefüh­len. Denn optisch und akustisch hat sich kaum etwas verändert. Von der grau-goldenen Zuschauerraumausmalung, die so auffällig ist wie ein ­eigenes Bühnenbild, bis zum allzu hoch gelegenen Orchestergraben ist vieles beim Alten geblieben.

Immerhin: Die neue Bestuhlung tut gut beim «Tris­tan». Drei Autostunden entfernt gab es keinen besonderen Anlass für «Tris­tan und Isolde», und in Koblenz würde man ihn auch nicht unbedingt erwarten: Das klassizistische Haus mit seinen knapp fünfhundert Plätzen ist für Wagner zu klein proportioniert. Nur die Platzierung des Orchesters auf der Bühne macht hier eine Aufführung überhaupt möglich. Kann man also beide Auffüh­rungen vergleichen?
Sicherlich kaum in Hinsicht auf die Regie: Annegret Ritzel, der Hausherrin in Koblenz, bleiben nur die eingeschränkten Möglichkeiten des Spiels auf Vorderbühne und einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
Raritäten

Wie viele Zeitläufte des zwanzigsten Jahrhunderts dieses Leben einschloss, kann man aus den Daten ersehen: Ernst Krenek wurde im Jahr 1900 geboren und starb 1991. Noch erstaunlicher als die schiere Dauer seines Wirkens ist, dass Krenek aus der sich ständig umwälzenden (deutschen) Geschichte hellwach Konsequenzen zog, ohne sich als avancierter, zeitkritischer...

Griechische Passion

Athens Megaron ist nicht irgendein Ort, um «Elektra» zu spielen. Das historische Mykene liegt nur eineinhalb Autostunden entfernt. Wenn die Mythe nicht lügt (was sie laut Ernst Bloch gern tut), dann kann man sich dort das Badezimmer vorstellen, in dem Agamemnons Schädel gespalten wurde – von seiner Frau. Hügelabwärts liegen die Tholosgräber der Atridensippschaft....

Aus dem Fundus

Warum Düsseldorfs Opernchef Tobias Richter als letzte Neuproduktion für die räumlich beengte Ausweichspielstätte RheinOperMobil ausgerechnet Charles Gounods «Faust» auf den Spielplan setzte, bleibt auch nach Besichtigung des musikalisch-szenischen Ergebnisses eine offene Frage. Nicht die frühe Dialogfassung von 1859 wird gespielt, sondern die erheblich erweiterte,...