Lust und Unlust im Orchestergraben
Staatsoperndirektor Ioan Holender nennt die Wiener Philharmoniker gern «das beste Opernorchester der Welt». Nicht alle freilich teilen seine Meinung, speziell hinsichtlich der Darbietungen im Opernalltag. Schuld an der gelegentlich hörbaren Unlust der Musiker seien, heißt es, deren Unterdotierung sowie das leidige Rotationsprinzip und, damit verbunden, auch jenes der Substituten. In diesem Zusammenhang wird gern der Witz vom Pförtner kolportiert, der aus Freundschaft für einen Geiger einspringt. Mimisch, denn ein Instrumentalist ist er natürlich nicht. Pointe: «Es war furchtbar.
An diesem Abend waren wir lauter Pförtner.»
Michael Bladerer, 40, früher Solokontrabassist der Komischen Oper Berlin, seit 1999 Mitglied des Orchesters der Wiener Staatsoper, seit 2002 der Wiener Philharmoniker, seit 2005 Betriebsratsvorsitzender des Staatsopernorchesters, kann den Witz schon nicht mehr hören: «Unsere Substituten sind qualifizierte Leute – einerseits unsere Pensionisten, die ihre Fähigkeiten nicht vom einen Tag zum anderen verlieren und noch dazu den Vorteil haben, dass sie das Repertoire sehr gut kennen. Die andere Gruppe rekrutiert sich aus den Zweit- und Drittplatzierten unserer ...
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