Symphonie der Körper
Kein Bühnenwerk Hans Werner Henzes ist geeigneter, die katalysatorische Rolle seines Schaffens im zeitgenössischen Kunstbetrieb fühlbar zu machen, als die 1966 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte Opera seria «Die Bassariden». Noch 42 Jahre später zeigt die Münchner Neuinszenierung, wie es um das Stück und seine Wirkung bestellt ist – besonders dank einer kahlen, Chor und Solisten nüchtern, fast geometrisch nackt ausstellenden Interpretation im weit aufgerissenen Bühnenraum.
Aus dem Orchestergraben ergießt sich dazu der Lavastrom symphonischer Musik, den Marc Albrecht emphatisch zum Glühen bringt. Die zerrissene Klangwelt zeigt einen vierzigjährigen Komponisten auf der Höhe seiner expressiven Vitalität, der Differenzierungskunst in der Orchestersprache, der seelischen Beschwörungskraft. Und was dem inzwischen 81-jährigen Henze in der Intendantenloge des Münchner Nationaltheaters schon vor der Aufführung an Beifall entgegenschlägt, ist lautstarke Bewunderung für einen Komponisten, der längst in den Stand der Legende erhoben wurde.
«Die Bassariden» fokussieren, wie kaum ein anderes Werk Henzes, jenen produktiv verstörenden Zwiespalt zwischen Tradition und Innovation, ...
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