Buntes Treiben
Die Uraufführung der Volksoper «Die vier Grobiane» 1906 in München katapultierte den Deutsch-Italiener Ermanno Wolf-Ferrari (1876-1948) in die Herzen des wilhelminischen Opernpublikums; in der Gunst der Kritiker rangierte sie gleichauf mit Werken von Richard Strauss. Drei Jahrzehnte später bescherte die (unerwiderte) Verehrung seitens der Herren Goebbels, Ribbentrop und Hitler dem Komponisten neben dem Verdienstkreuz des Ordens vom deutschen Adler unter anderem eine Professur für Komposition am Salzburger «Reichsmozarteum».
Während ihn die nationalsozialistische Presse als den «Mozart unserer Tage» feierte, enthielt sich der Komponist jeglicher explizit politischer Kommentare. Allerdings bezeichnete er die Avantgarde als «Unkraut», die Musikanalyse als «Nabelschau». Schönheit, postulierte Wolf-Ferrari, lasse sich durch das Befolgen von Regeln nicht garantieren, durch deren Missachtung aber auch nicht.
Was sollen Kritiker heute mit diesem «Grobian» anfangen? Ihn einfach übergehen? Eines ist unbestritten: Die flotte, geschickt ausgeklügelte Geometrie seiner Lustspiele nach Carlo Goldoni – «Il campiello» von 1936 ist das letzte – zeitigt auch heute unmittelbare Wirkung. Auf der ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Carlo Vitali
Sie dirigieren 2016, nach «Lohengrin», Ihre zweite Festspiel-Premiere in Bayreuth: «Parsifal». Mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks haben Sie gerade den dritten Akt konzertant aufgeführt. Ein Testlauf?
In solchen Kategorien denke ich eigentlich nicht. Wir haben nach einer Möglichkeit für konzertante Oper gesucht und sind irgendwann auf «Parsifal»...
Impulsiv, mit jugendlichem Charme, ehrgeizig: So hat sich der Israeli und Ex-Barenboim-Assistent Omer Meir Wellber in den letzten Jahren nach vorn dirigiert. An der Semperoper geht er nach Strauss erstmals Mozart an, alle drei da Ponte-Opern soll er hier in der nächsten Zeit leiten. Der Einstieg glückt: In «Così fan tutte» überzeugt er mit engagierter, präziser...
Ob die Erkenntnis, alles sei schon mal dagewesen, tatsächlich vom legendären Rabbi Akiba ben Josef stammt, wissen wir nicht. Eher anzunehmen, dass der Dramatiker Karl Gutzkow ihm diesen Spruch in den Mund gelegt hat. Auf jeden Fall erleben wir beim Betrachten der Inszenierung von Verdis «Luisa Miller» aus dem Opernhaus zu Malmö ein solches Déja-vu. Denn das...
