Rockstar Zerbinetta
Immerhin. Man hält's im Hause des reichsten Mannes von Wien – wie wahrhaftig auch immer – mit der aktuellen Kunst. Man gibt eine Oper in Auftrag, wenn man sie auch später verstümmelt, und auf Tilo Steffens’ Bühne zu Ariadne auf Naxos erblicken wir hinten, hoch oben in der Festloge, den Haushofmeister, in Klimts Jugendstilmalerei vertieft. Wie man mit den Kunstproduzenten unterm eigenen Dach umgeht, ist eine andere Frage. Man stellt sie in Freiburg letztlich doch nicht so recht. Lange scheint es, als sei eine Glaswand zwischen uns da unten und denen da oben.
Alles wirkt entfernt, akustisch gedämpft, indirekt. Die Textundeutlichkeit tut das Ihre hinzu. Das Spiel ist nicht «nah» genug.
Dieser Eindruck weicht, sobald uns die Gestalten mehr angehen. Einer der einleuchtendsten Einfälle des Regisseurs Jörg Behr beim Transport des Werks in die Neuzeit: Die Stegreif-Komödianten um die weißmähnige Zerbinetta mausern sich zu einer Rockband. Das den Autoren vordringliche Motiv der Verwandlung ist Behr nicht gar so wichtig. Wohl aber die Verbindung von Hoch- und Massenkultur. Im Finale ist der Komponist nicht mehr der, der Kleinholz aus dem Pop-Instrumentarium macht. Da erscheint der Kahn, ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Heinz W. Koch
«Ganzkörperpoeten» nennen sich die Akteure der Berliner Tanz-Performance-Musik-Theater-Truppe Nico and the Navigators. Seit 1998 verfolgen Regisseurin Nicola Hümpel, Bühnenbildner Oliver Proske und das in wechselnder Besetzung auftretende Ensemble die Mission, Figuren und Themen der Hochkultur aufs Menschlich-Allzumenschliche herunterzubrechen. Händel und Rossini...
Die Musik kommt aus dem Nichts. Eine aufsteigende Quinte der tiefen Streicher, dann ein Ganzton. Sehr leise beides, sehr legato und très modéré. Die Bewegung wiederholt sich. Holzbläser treten dazu: synkopisch sanft angestoßene Akkorde, mehr kreisend als zielgerichtet. Abbruch. Von fern grollt die Pauke. Dann ein neuer Start, die gleichen Töne, nur heller, höher,...
Erst spät wurden manche wach. Da war doch noch was: genau, ein stählernes, eckiges, auskragendes Ding, wie vom Himmel auf dem Marstallplatz hinter dem Münchner Nationaltheater gefallen. Ein Architektur gewordener Dramaturgendunst, entworfen vom Wiener Büro Coop Himmelb(l)au. Widerborstig und widerspenstig, so sieht sich die Bayerische Staatsoper gern. Doch der...
