Mitten aus dem Leben
Ein Schuss. Ein Schrei. Ein Todesfall. Eine Szene in den Cape Flats, draußen vor den Toren Kapstadts, dargestellt von Schülern der Bloekombos Secondary High School. Wir hören Händel und neue Klänge. Endzeitlich anmutende Arien und Duette aus den Oratorien «Messiah» und «L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato» wechseln mit von Barock, Jazz und Xhosa-Melodien inspirierten Kompositionen der australischen Komponistin Catherine Milliken.
In «Comfort Ye», der jüngsten Opernproduktion des sozialen Musikprojekts Umculo/Cape Festival, treffen unter der Regie Robert Lehmeiers, der auch für Konzept und Libretto verantwortlich zeichnet, vier professionelle Nachwuchssänger auf zwei Schauspieler und 22 Jugendliche. Deren Lebensgeschichten bilden die Basis des Geschehens.
Wir verfolgen das Drama eines jungen Mannes, der beschuldigt wird, ein Mädchen vergewaltigt zu haben und von einer Gang ermordet wird. Das Mädchen, seine Freundin, bleibt fassungslos zurück. Kraftvoll die Mezzosopranistin Bongiwe Nakani als Mutter des getöteten Mannes. Der Tenor Rheinald Thsepo Moagi gibt einen Polizisten, der am Ende zusammenbricht: Er war es, der sich an dem Mädchen vergangen hat. Wir hören das «Thou shalt ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Saul-Francesco Uys Rootenberg
Dank ihres hohlen Rufs, der wie ein Hilfeschrei verlorener Seelen klingt, spielt die Eule die Rolle als Botin von Ungemach bis ins Triviale hinein; selbst Edgar Wallaces Schwarze Äbte fürchten ihn. Ein Memento-mori-Vogel, aber auch Mittler himmlischer Weisheit. Man denke an die Eule der Minerva, die freilich, so beschrieb es Hegel, ihren Flug erst zur einbrechenden...
Wer Korngolds «Die tote Stadt» in Görlitz inszeniert, kann sich das Bühnenbild fast sparen. Zwar ist die Innenstadt inzwischen weitgehend saniert, doch die verlassenen Gassen und Plätze der vom Krieg unversehrten Stadt verströmen noch immer eine aus der Zeit gefallene Atmosphäre, die unmittelbar an das vergessene Vorkriegs-Brügge erinnert, das Korngolds Oper...
«Così fan tutte» gilt ja vielen als das schwächste Stück der Mozart/Da-Ponte-Trias. Warum es also nicht mal auf den Kopf stellen, weiterdenken, variieren? Calixto Bieito hat in Basel einen «Abend ... mit Musik von Mozart» serviert. Wer hingeht, weiß, dass er die Katze im Sack gekauft hat – und will die Katze auch.
Der Graben ist abgedeckt, das Portal mit einem...
