Liebesgrüße aus Hollywood
Zugegeben, kurz erschrickt man schon, wenn sich der Vorhang öffnet und den Blick auf hypernaturalistische Kulissen freigibt: In handwerklich exzellenter Ausführung ist der Originalschauplatz von Camille Saint-Saëns «Samson et Dalila» nachgebildet, ein Dorf im Tal Sorek. Rechterhand steht eine Reihe von Lehmhäusern, linkerhand erheben sich Felsen. Hat die Berliner Staatsoper hier das Bühnenbild der Berliner Erstaufführung aus dem Jahr 1901 nachbauen lassen?
Schon bald aber wird klar, dass die Inspirationsquelle des Regisseurs Damián Szifron das klassische amerikanische Kino ist.
1949 brachte die Paramount ihre Monsterproduktion von «Samson and Delilah» heraus, mit Hedy Lamarr als Diva und wogenden Statistenmassen. Und es ist wahrlich eines Cecil B. DeMille würdig, was Bühnenbildner Etienne Pluss und Kostümdesignerin Gesine Völlm jetzt Unter den Linden aufbieten. Im Zwischenspiel zum zweiten Akt fährt lautlos eine Felsenhöhle aus dem Bühnenuntergrund hoch, in der echtes Feuer brennt, während draußen der Nebel wabert und Blitze zucken. Und im Finalakt, der bühnenfüllend den Tempel der Philister zeigt, spielt sich eine Orgie ab, wie sie sich perverser, brutaler und authentischer kaum ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Frederik Hanssen
Chi scherza con Amor, scherza col fuoco: Wer mit der Liebe spielt, spielt mit dem Feuer. So ist, so war es immer. Auch der Titelheld in Giovanni Antonio Borettis «Eliogabalo» weiß um die Tücken dieses (allzu) leichtfertigen Umgangs mit der wichtigsten Nebensache der Welt. Und doch hat ihm der Schöpfer eine Musik in die Kehle gelegt, die vor Vergnügungssucht nur...
«Toujours à l’improviste» – immer aus dem Augenblick heraus: So seien ihm die einzelnen Szenen von «La Damnation de Faust» während einer Konzertreise durchs alte Europa erschienen. «Ich suchte nicht nach Ideen, ich ließ sie zu mir kommen, und sie stellten sich ein, in völlig unerwarteter Reihenfolge.» Erst in einem letzten Arbeitsschritt habe er das Heterogene zu...
Eine Sache müsse er jetzt noch sagen. Nicht um Musikalisches ging es in diesen Minuten, um das Programm mit Strauss und Brahms, sondern um so viel mehr. Dankbar sei er dafür, sprach Mariss Jansons, wie sehr er mit den Musikern zusammenwachsen durfte, wie man zu einer Familie geworden sei. Die jetzt – und das sagte er nicht, weil es mitschwang in diesen Worten –...
