Märchenstunde auf dem Lande
Die Hälfte der Opern, die in diesem Sommer in Glyndebourne auf dem Programm stehen, darunter zwei der drei neuen Produktionen, wurden von Regisseuren betreut, die aus der britischen Schauspielszene kommen. Durch Experimentierlust ist keiner von ihnen aufgefallen. «Moderne» Regieperspektiven passen offenbar nicht mehr zum ästhetischen Selbstbild des Festivals. Während der achtziger und neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war das noch anders, gab es gelegentlich durchaus Platz für kontroverse Arbeiten.
Die Inszenierung von Dvoráks «Rusalka» hatte man einer Operndebütantin anvertraut: Melly Still machte sich in Großbritannien mit Kindermärchen nach den Gebrüdern Grimm einen Namen, ihre Einrichtung des preisgekrönten Jugendstücks «Coram Boy» lief am Londoner National Theatre und in New York. Für ihr erste Musiktheaterregie habe sie sich vor allem von Pina Bausch inspirieren lassen, gab Melly Still zu Protokoll. Zu sehen ist davon in ihrer geschäftigen «Rusalka» so gut wie nichts. Statt auf der Bühne in Gestik und Bewegung Elemente einzuführen, die etwa die Entfremdung zwischen der höfischen Welt des Prinzen und der Naturwelt der Nixe ausloteten, begnügte sie sich mit einem ...
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Mehr als ein Vierteljahrhundert ist verstrichen, seit Carl H. Hiller in dieser Zeitschrift mit einem monografischen Essay auf den wohl bedeutendsten polnischen Komponisten nach Chopin aufmerksam machte (siehe OW 1/1983): Karol Szymanowski. Damals kannten allenfalls ein paar Connaisseurs das umfangreiche Œuvre des eigensinnigen Ästheten, der zeit seines viel zu...
Im Musiktheater steht der Mythos von Orpheus und Eurydike derzeit wieder hoch im Kurs: In einer Gesellschaft, in der jede dritte Ehe geschieden wird, inspiriert die Trennung von Mann und Frau auch Komponisten. Und das umso mehr, als die bisherigen Orpheus-Opern durchaus noch Platz für neue Gewichtungen lassen: Interessierten sich Monteverdi und Gluck noch...
Die Tendenz ist offenkundig: Viele junge Regisseure, Regie- und Bühnenbildstudierende haben kaum Interesse daran, die bekannten rund sechzig Opern einfach weiter auszupressen, auf der Suche nach einem neuen Sinn. Andererseits: Die Oper fasziniert. Dass sie mit dem Leben hier und heute nichts oder nur wenig zu tun hat, das will eigentlich niemand wirklich...
