Mörder, Hoffnung der Frauen
«I bin a ringlgschbüübsizza und hob scho sim weiwa daschlogn..» (Ich bin ein Ringenspielbesitzer und habe schon sieben Weiber erschlagen), prahlt H. C. Artmanns «Blauboad» vom Wiener Praterstern. Doch der traditionelle Frauenmörder hat ausgespielt, die Männer haben ihre Deutungshoheit über den Stoff verloren. Bereits 1907 – in einer Zeit, da das Frauenwahlrecht in vielen Ländern noch in den Sternen stand – forderte Paul Dukas mit «Ariane et Barbe-bleue» die Gleichberechtigung der Geschlechter.
Zugleich beschreibt diese Oper geradezu prophetisch, warum Letztere bis heute nicht vollständig durchgesetzt werden konnte: Die von Ariane befreiten Frauen entscheiden sich gegen ein eigenständiges Leben in Freiheit. Sie wollen bleiben – trotz der manifesten Gefahr neuerlicher Unterdrückung. Ob es Mitleid mit dem von den Bauern verprügelten Tyrannen ist oder einfach die Bequemlichkeit, Entscheidungen einem anderen, vermeintlich «Stärkeren» zu überlassen, bleibt offen. Auf diese Perspektive hin schien auch Claus Guths Zürcher Inszenierung von 2005 angelegt, die nun als Dokumentation einer Aufführung in Barcelona auf DVD vorliegt. Denn die in den Kellerverliesen eingesperrten Frauen erweisen ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché
Vielleicht ist «Tannhäuser» heute die am schwierigsten zu inszenierende Wagner-Oper? Der Sündenfall des Venusbergs ist in Zeiten von Patchwork-Beziehungen und allgegenwärtiger Pornografie ja nur noch schwer plausibel zu machen. So scheint fast zwangsläufig, dass heutige Regisseure die Kategorien von Schuld und Sühne aufzuweichen geneigt sind und für die einst...
Manche Dirigenten leisten den Mammutteil ihrer Arbeit in den Proben, setzen im Konzert sozusagen nur noch das i-Tüpfelchen auf. Nicht so Claudio Abbado. Nicht selten hat er Musiker verärgert, weil sie in den Proben einfach nicht wussten, worauf er hinauswollte, weil er nichts verriet, sie einfach spielen ließ. Aber im entscheidenden Moment setzt sich dann plötzlich...
Anfang Mai vor zehn Jahren. Wie diesmal wieder tauchen die «Weißen Nächte» Sankt Petersburg in nicht enden wollendes, strahlend hartes Sonnenlichtblau. Das Mariinsky Theater unter seinem dynamischen Chef Valery Gergiev wuchtet den ersten russischen «Ring des Nibelungen» seit Menschengedenken auf seine marode Bühne. In der nahen Akademie der Künste, am anderen...
