Zwischenapplaus
Das Verdi-Jahr auf Silberscheiben? Im Grunde eine Enttäuschung. Gut, diverse Star-Recitals wurden produziert, doch das eher für die schnelle Kasse, weniger für erhellende Neuansätze. Zum Thema Gesamtaufnahmen, so suggeriert es die vereinigte Label-Front, scheint alles gesagt. Fast, wie ein Live-Mitschnitt aus dem Gießener Stadttheater zeigt. Und dann auch noch «Oberto», jene erste Oper des Meisters, die zwar fest in den Formen der Belcanto-Ära wurzelt, aber schon jene Energieausschläge erreicht, die auch den frühen Verdi unwiderstehlich machen.
Aus drei konzertanten Aufführungen entstand diese Einspielung. Und sie hat harte Konkurrenz auf dem Markt. Doch das betrifft eher die Sänger. Gegen die Dirigenten Lamberto Gardelli und Neville Marriner kann sich Michael Hofstetter mehr als behaupten. Der Gießener Chef, sozialisiert durch die Alte Musik, hat sich tief in die Partitur hineingedacht. Und er macht nicht den Fehler, dieses Früh-Stück mit krachenden Rhythmen und schrundigen Akzenten aufzudonnern. Überrumpelnde Verve, dramatische Zuspitzungen, treibendes Brio, all das gibt es auch bei Hofstetter. Aber dazu eben viel Klangbewusstsein, Substanz, Auflichtungen – und ein ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Markus Thiel
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