Fieberkurven
Der Film sei die Oper des 20. Jahrhunderts, weiß ein gern bemühtes Bonmot. Ganz falsch ist das nicht – auch wenn die vermeintlich sterbensbleiche alte Tante aus Florenz und Mantua sich nach wie vor bester Gesundheit erfreut. Was als Gesamtkunstwerk funktioniert, ist offenbar so schnell nicht totzukriegen. Egal ob es vor mehr als 400 oder vor gut 100 Jahren in die Welt kam. Und es gibt – Stichwort Multimedialität – durchaus eine innere Verwandtschaft zwischen den Genres. Sergej Eisenstein etwa zog «Iwan Grosny», das monumentale Leinwandepos über den schrecklichen Zaren Iwan IV.
, als mythisch-historisches Drama auf, das in manchem an Wagners «Ring»-Parabel erinnert. Ein Meisterwerk, das seine Wirkung maßgeblich aus der Musik schöpft, die Sergej Prokofjew während der Dreharbeiten schrieb.
Dass Klang in dem legendären Streifen nicht einfach als Atmo-Verstärker dient, sondern Figuren, Situationen, Sphären konturiert, den Puls des Geschehens und Rhythmus der Bilder oft prägt, ist wohl nie so deutlich geworden wie bei einer Aufführung, die der Dirigent Frank Strobel Mitte September mit dem Berliner Rundfunk-Sinfonieorchester und Rundfunkchor sowie den Solisten Marina Prudenskaya (Alt) ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Albrecht Thiemann
Mozarts «Nozze di Figaro» kann es in der Aufführungsstatistik zwar nicht mit der «Zauberflöte» aufnehmen. Aber die erste pralle Frucht seiner Zusammenarbeit mit dem kongenialen Librettisten Lorenzo da Ponte ist alles andere als eine Rarität auf den Spielplänen. Gerade erfreut sich das Stück wieder etlicher Neudeutungen. Dabei fällt auf, dass der Trend, das Werk...
Ja, die unerträgliche Leichtigkeit des Seins: «Überhaupt irrt man», schrieb Mozart an den Kapellmeister Johann Baptist Kucharz, «wenn man denkt, dass mir meine Kunst so leicht geworden ist ...». Und der Wiener Schriftsteller und Kritiker Hans Weigel vermerkte in seinem Buch «Apropos Musik» ein wenig flapsig, wer Mozart leicht fände, den solle der Lortzing holen....
Seid ihr alle da? Wenn es das richtige Lockmittel gibt – klar! Wodka satt zur Realitätsverschleierung, Wein im Tetrapack und ein Kasperletheater, das das Spiel der Mächtigen zur Harmlosigkeitsgroteske zusammenschnurren lässt. Alle Opernfiguren sind anfangs doppelt vertreten, geführt von ihren realen Sängern. Sogar ein Krokodil gibt es, das aus dem Hinterhalt ein...
