Edle Einfalt
«Idomeneo» ist gewiss Mozarts musikalisch reichste, dramatisch radikalste Partitur, die gleichermaßen die Tragédie lyrique Rameaus wie Glucks Opernreform beerbt und die höfische Seria im Geist des Wiener Sonatenstils überformt. Bereits in der festlichen Ouvertüre mit ihren abrupten Einbrüchen wetterleuchtet jene nervöse Erregtheit, die Ausdruck und Tempo des Stücks bis hin zu Elettras furioser Schlussarie bestimmt.
Im immer wieder überraschenden, weil diskontinuierlichen Verlauf der Musik, der sich auch am experimentellen Umgang mit der Form ablesen lässt, ereignet sich das Psychodrama der Figuren.
Lothar Zagrosek hat – auf den Spuren von Nikolaus Harnoncourt – in der Stuttgarter Neuinszenierung diesen experimentellen Geist Mozarts mit zügigen Tempi, heftigen Akzenten, dramatischen Impulsen und einem pointierten Orchesterspiel freigelegt, bei dem zwischen Streichern und Bläsern das wünschenswerte Gleichgewicht herrschte. Es war, überraschend für Stuttgart, ein Abend der Musik. Stolz durfte man sein, das Solistenquartett aus dem hauseigenen Ensemble besetzen zu können. Norman Shankle hat man selten so frei erlebt wie als Idomeneo, Johan Weigel selten so gezügelt wie als Idamante: ...
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Die in einer mikroskopisch kleinen Geheimschrift verfassten Texte des späten Robert Walser galten lange Zeit als nicht dechiffrierbar. Auf andere Weise verrätselt sind die Texte durch die Abfolge von Sätzen, die den Vorgang des Schreibens thematisieren und, wie Walter Benjamin anmerkte, «den vorigen vergessen zu machen» versuchen: Manifest der Spätkunst eines...
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