Scheiden tut gar nicht weh

Ancona, Hindemith: Neues vom Tage

Opernwelt - Logo

Es war ein Skandal für die grande famiglia der italienischen Nation: Kürzlich meldeten italienische Tageszeitungen, dass ausgerechnet das Mutterland der katholischen Kirche die höchste Scheidungsrate ganz Europas hat. Gleichwohl wird Paaren die Trennung nicht leicht gemacht, selbst einvernehmliche Scheidungsverfahren können sich ewig hinziehen. Nun gibt ein italienisches Opernhaus konkreten Anschauungsunterricht, indem es Paul Hindemiths Zeitoper «Neues vom Tage» aufführt.


In dem Stück geht es ums Ende der Liebe: Laura und Eduard sind frisch verheiratet, streiten sich, bis die Fetzen fliegen. Und wollen sich möglichst schnell wieder scheiden lassen – man ist ja modern. Doch für die Scheidung verlangt das Amt einen triftigen Grund. Ein befreundetes Ehepaar macht vor, wie man’s macht: Den Scheidungsgrund leiht man sich bei einer Agentur, nämlich den «schönen Hermann». Doch der verliebt sich ganz gegen die Firmenraison in seine Kundin Laura. Das führt zu allerlei Skandälchen, die sofort als «Neues vom Tage» in den Medien landen. Am Schluss blüht den beiden Aspiranten das Schicksal heutiger Reality-TV-Sternchen: Sie haben ihr Privatleben öffentlich verhökert, werden als Medienfiguren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2008
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Birgit Pauls

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zurück nach St. Petersburg, ab ins Irrenhaus

Den Eigenwilligkeiten des ­modernen Regietheaters, die längst auch die Oper überfallen haben, bieten hier und da Gegenkräfte die Stirn. Eine dieser Gegenkräfte trägt den Namen Peter Stein. Die einstige Lichtfigur des deutschen Schauspiels, mit der sich der inzwischen verblasste Ruhm der Berliner Schaubühne verband, beharrt für die Oper auf dem, was man gemeinhin...

Der Regisseur als Autor?

Lange war es üblich, Opern in bearbeiteter Form zu zeigen: übersetzt, gekürzt, umgestellt, ergänzt, mit Eingriffen in Dramaturgie und Notentext. Mozart, «Verdi-Renaissance», der Kampf um die Originalfassungen des «Boris», «Hoffmann», der «Carmen» sind nur die notorischsten Beispiele. Als Reaktion formierte sich in den fünfziger Jahren die Urtext-Bewegung....

Falco lebt

Man hätte schon gern gewusst, wie das klingt: Der Katastrophenakkord des Don Giovanni auf der E-Gitarre: herausgerissen aus klassischer Beschaulichkeit, hart hingefetzt, mit dem typisch wimmernden Nachhall? Hölle, Tod und Teufel? Leider erfährt man es nicht, denn der Typ, der mit Puderperücke und umgehängter Stratocast zu Beginn der Ouvertüre bei offenem Vorhang...