Seiltanz und Purzelbaum

Karlsruhe | Wagner: Lohengrin

Opernwelt - Logo

Hoch oben, diagonal über der Bühne ein Seil, das anfangs wie eine Neonröhre aussieht. Ganz vorn rechts ragt gerade noch ein Fuß ins Bild. Im Pressematerial zum Karlsruher «Lohengrin» findet sich die Biografie eines französischen Hochseilartisten. Auf der Szene indes keine Spur von ihm. Sollte da...? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Lohengrin – Akrobat zwischen Himmel und Erde? Eine aparte Idee, aber – siehe oben...Was man vor dem Erstauftritt des Helden sieht, ist ein Pappkamerad, am Seil entlang gleitend.

Der schäbige Rest eines Gedankens?

Benedikt von Peter hätte inszenieren sollen. Er sagte ab, Reinhild Hoffmann übernahm. Ein unglückseliger Entschluss. Eine bedeutungsärmere, hölzernere Wagner-Regie sah man lange nicht. Die Purzelbäume, die einer der ballettösen Kulissenschieber einlegt, reißen die Malaise auch nicht herum. Das Fatalste ist, dass ausgerechnet eine rühmlich bekannte Choreografin die «Massen» nicht zu organisieren versteht, solange sie nicht sowieso auf einer – vokal günstigen – Tribüne postiert sind. Ansonsten verhält der Chor sich, wenn Erstaunen, Verwunderung oder Achselzucken anzuzeigen sind, wie beim Kirchgang in «Cavalleria rusticana». Beim Brautzug ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Du bist nicht allein

Schaut man die Spielpläne der nächsten Saison durch, überkommt einen in Sachen Wagner und Verdi das große Gähnen. Nur wenige Häuser haben sich Originelles ausgedacht zu den Geburtstagen dieser zwei so unterschiedlichen Operntitanen des 19. Jahrhunderts, die sich zum 200. Mal jähren. In Leipzig beleuchtet man die drei Frühwerke Wagners neu, in Dresden konzentriert...

Der besondere Saft

Es wird viel Blut vergossen. Schon während des Vorspiels. Ein Video zeigt eine weiße Leinwand, in die eine Messerklinge langsam einen Schlitz schneidet, aus dem zäh der ganz besondere Saft tropft. Mit Blut besudelt ist auch Harald B. Thors weißes, an faschistische Machtarchitektur erinnerndes Einheitsbühnenbild, und üppig strömt es stets aus Amfortas’ Wunde. Im...

Expedition ins Nichts

Ein kleiner, weiß auf schwarz gestrichelter Stern leuchtet auf. Er wird größer, nimmt die Zuschauer mit ins Wunderreich der Nacht, ins Weltall, wo Planeten kreisen und Myriaden von Sternen. Die Reise endet im Nichts, in der Auslöschung. Es gibt kein Glück, weder in Cornwall noch auf Kareol, weder für Tristan noch für Isolde. Das ist in Hermann Schneiders...