Wer das Groteske sät, wird die Farce ernten
Silbern glänzte der Horizont und spiegelte sich in vielen kleinen und größeren Seen. Die Bäume davor schwarz und filigran, als wären sie Scherenschnitte. Grausame Ästhetik, denn die Seen waren überschwemmte Äcker und Wiesen; die viele Tage währende Juli-Sintflut hatte weite Strecken lieblicher englischer Landschaft unter Wasser gesetzt und zahlreiche Ortschaften verheert. Ambivalenz des Elementaren, Schönheit und sinnloses Unglück, von einer scheinbar gleichgültigen Macht nach Belieben verstreut.
Herrscht blind das Schicksal? Lebt kein Gott?
Fragen, die natürlich weit über den «Freischütz», über die Opernbühne überhaupt hinausreichen. Aber in diesem Jahr schienen sie zugleich eine Brücke zwischen Salzburg und Glyndebourne zu schlagen. Zwar stand Webers Oper 2007 nur an der Salzach im Spielplan, doch die Fragen fanden sich sinngemäß auch im Programmbuch des Festivals in den Sussex Downs. Um der hinter seiner Existenz befürchteten Sinnlosigkeit zu entfliehen, habe der Mensch sich Religion und Kunst erdacht, schreibt die Religionshistorikerin Karen Armstrong (nicht identisch mit der Sopranistin gleichen Namens) in ihrem Beitrag zur szenischen Aufführung von Bachs Matthäus-Passion. ...
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In der Spätzeit der DDR lag Stralsund am Boden. Noch zu Beginn der neunziger Jahre, kurz nach der Wende, bot sich dem Besucher, der durch die Gassen der einstmals florierenden Hansestadt flanierte, ein Bild der Verheerung: blinde Fenster, bröckelnder Putz, löchrige Dächer, schimmelndes Holz – wüstes Terrain, wohin das Auge blickte. Und das mitten in jenem von der...
Ein seelenwarmer Diener, der zumal bei steigendem Alkoholpegel alles in den falschen Hals bekommt – schon gar, wenn der Gatte der jungen Dame des Hauses per Leiter im Kleiderschrank seiner heimlich Angetrauten erscheint und den von ihrem Vormund favorisierten Möchtegern-Casanova auf Platz zwei verdrängt: «La scala di seta» (Die seidene Leiter) gehört zu den fünf...
Herr López-Cobos, Sie haben neunzehn Jahre lang, von 1971 bis 1990, das Orchester der Deutschen Oper Berlin dirigiert, zehn Jahre davon als Musikchef. Damals zählte das Haus zu den ersten Adressen der internationalen Opernszene. Warum sind Sie gegangen?
Ich hatte den Eindruck, dass die Routine überhand nahm. Ich war opernmüde und wollte mich neu orientieren. Die...
