Fotorealistisch
Das größte Ereignis hier ist die Musik. Gut, John Adams hat für seine Oper «Nixon in China» ein Geflecht von Ohrwürmern komponiert, dieses mit einem treibenden Rhythmus unterlegt und mit Pop-, Jazz-, Barock-, Strauss- und Wagner-Zitaten angereichert. Aber es bleibt bei dieser Musik, die viel mehr ist, als man gemeinhin unter «Minimal Music» versteht, auch etwas Schwebendes zurück, ein leicht irrlichterndes Sentiment. Das bedient Alexander Vedernikov an der Kongelige Opera Kopenhagen zusammen mit dem Royal Danish Orchester.
Aber er lässt sich dadurch nicht von seinem großen Plan abbringen. Und der ist mitreißendes Theater in einem großen, elastischen, extrem zielorientierten Bogen. Der gesamte erste Akt mit seiner Dauer von gut einer Stunde ist ein einziges Crescendo, beginnend mit einem scheuen Chor, der sich mit der Ankunft Nixons das erste Mal eklatant steigert. In Wellen erhöht Vedernikov die Intensität, bis sich beim großen Gelage Nixons Euphorie haltlos Bahn bricht.
All dies ist historisch verbürgt. 1972 besuchte Richard Nixon als erster US-Präsident die Volksrepublik China und traf dort Mao Tse-tung. Im Grunde handelte er noch im Rausch der Mondlandung zweieinhalb Jahre ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Egbert Tholl
Anstößig sei alles wahrhaft Produktive, schrieb Friedrich Nietzsche in seinen «Unzeitgemäßen Betrachtungen». Er bezog es auf einen «allgemein ansprechenden Ton» mancher Schriftsteller, dem eben dieses Anstößige fehle. Ob auch Bohuslav Martinů (1890-1959) etwas Unangepasstes meinte, als er angab, er habe seine «Lieder geschrieben, wenn er nicht komponierte»?...
Es könnte Zufall sein. Es könnte aber auch sein, dass Erich Wolfgang Korngolds (Alb)-Traumoper «Die tote Stadt» nach beinahe 100 Jahren Einsamkeit wieder vermehrt auf den Spielplänen zu finden ist, weil sie sich gewissermaßen a posteriori dem kühl-flüchtigen Rationalismus der Postpostmoderne mit flackernd surrealer Magie widersetzt. Und weil sie uns in jene Sphäre...
Mit Wagner hat die Musik von Philippe Manoury eigentlich nicht viel zu tun. Jedenfalls beim ersten Höreindruck. Die strudelnden Ströme, die vulkanisch bebenden Flächen, das gleißende Licht und all die krachenden Gewitter, die Manourys Klangfantasie immer wieder freisetzen, bilden schon eine Welt für sich. Eine Welt, die dauernd in Turbulenzen zu geraten, ständig...
