Flucht in den Dschungel
Ein paar Minuten sitzt man im Dunkel, noch halb betäubt vom ersten Teil, da fallen Gazebahnen von der Decke. Schwarze Leinwände, auf denen es flimmert. Sonnenstrahlen funkeln durchs Dickicht, Bäume und Blätter sind als Projektion zu ahnen. Und dann diese Geräuschkulisse: kein fernes Affengekreisch, kein Zischeln und Rauschen aus dem Klischee-Kino, sondern ein Kaleidoskop aus Tonhäppchen, Glocken, Schlagwerk-Episoden. Ferne Blaskapellenklänge wehen herein, zwei Vokalakrobaten hecheln und stöhnen sich die Seelen aus dem Leib.
Tremolierende Sänger ziehen Kisten vorbei, und wie von einem freundlichen Herrn in der Pause aufgefordert, irrt man durch den Kunst-Urwald. Eher schulterzuckend als gebannt: eine Begegnung mit dem Fremden? Mit der vielstimmigen, angeblich so beunruhigenden Natur?
«Amazonas» war das Prestige-Projekt der diesjährigen Münchener Biennale, die unter dem Motto «Der Blick des Anderen» für neue Perspektiven warb. Eine Mega-Uraufführung. Erklärte Krönung und Konzentration aller Anstrengungen. Mit vielen Kraftakten und noch mehr lobenswerten Vorsätzen entstand der 210-minütige Dreiteiler in der Reithalle am Rande des Stadtzentrums. Er widmete sich dem ausgebeuteten Urwald ...
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Erich Wolfgang Korngolds bekannteste Oper scheint untrennbar verbunden mit der morbiden Atmosphäre der Stadt Brügge, Schauplatz des Romans «Bruges-la-morte» von Georges Rodenbach, der dem Libretto zugrunde liegt. Da geht Regisseur Philipp Himmelmann schon ein gewisses Risiko ein, wenn er in seiner Produktion an der Opéra de Lorraine auf jegliches Lokalkolorit...
Leos Janáceks «Katja Kabanová» handelt von der Unerträglichkeit des Lebens in einer russischen Provinzstadt an der Wolga. Anders als in Janáceks Vorlage, dem Drama «Gewitter» von Aleksander N. Ostrowskij, stirbt die mit dem stumpfen Kaufmann Tichon verheiratete und von ihrer bigotten Schwiegermutter unterdrückte Katja aber weniger an der starren Ordnung als von...
Zumindest im Opernbereich war die Bilanz des Händel-Jahres 2009 eher ernüchternd. Zwar wurde der 250. Komponistengeburtstag an nahezu jedem Opernhaus mit einer Produktion gewürdigt, doch ein Volltreffer, der Impulse für einen neuen, anderen Umgang mit Händels Opernfiguren gegeben hätte, scheint nicht dabei gewesen zu sein. Immerhin gab es einen Hoffnungsschimmer:...
