Erkundungen zwischen Geräusch und Stille
Durch die Stücke, die Jossi Wieler und Sergio Morabito für die Stuttgarter Staatsoper erarbeitet haben, zieht sich Religion wie ein roter Faden: die Dialektik von Glauben und Glauben lassen, Glaube und Begehren, Glaube und Vernunft, Glaube und Fanatismus, Glaube als privater und öffentlicher Passion. Glucks «Alceste» gehört in diese Reihe und Bellinis «Norma», Busonis «Doktor Faust» ebenso wie Schönbergs «Moses und Aron». Noch in dieser Spielzeit soll Halévys «La Juive» folgen. Und 2011 dann ein neues Stück mit dem Komponisten Mark Andre.
Als Pilotprojekt dazu verstand sich jetzt ein Abend mit dem Titel «Wunderzeichen», für den Sergio Morabito (erstmals) allein als Regisseur verantwortlich zeichnete.
Der Titelbegriff geht auf Goethe zurück und meint jenen Mann, der als erster großer deutscher Humanist gilt: Johannes Reuchlin, 1455 in Pforzheim geboren, erarbeitete nicht nur das meistbenutzte lateinische Wörterbuch seiner Zeit, sondern setzte sich für griechischen Unterricht und Platons Lehre ein. Er sah auch das Judentum als Chance, publizierte eine hebräische Grammatik und versuchte die Anstöße der Kabbala in Europa zu vermitteln. Als um 1510 die Vernichtung jüdischer Bücher ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Über das Leben vieler Nachkriegkomponisten wissen wir wenig. Zu nah ist ihre Zeit der unseren, zu präsent sind sie als Kommentatoren in eigener Sache, und gottlob ist mancher von ihnen noch schöpferisch tätig. So haben die Klassiker der seriellen Ära eines ihrer Ziele vorübergehend erreicht: Die Rationalität des Werks überstrahlt die Irrationalität des Urhebers....
Alle, die auszogen, das Fürchten zu lernen, begegneten dem Tod draußen auf der Balustrade. Erschreckend grimmig schien er, die Sense drohend in der Hand. Auch an jenem heißen Sommertag, zumindest bis zum Moment, da jemand aus dem benachbarten Gastgarten rief: «Herr Wondraschek, Ihr Bier wird warm!». Worauf die Geisterbahnfahrt im Wiener Prater zumindest für einige...
«Zu» steht auf dem Big-Brother-Container, den Hartmut Meyer für «Die Verurteilung des Lukullus» auf die Bühne der Komischen Oper stellt. Während im Orchestergraben der pompöse Leichenzug des römischen Feldherrn und Feinschmeckers unter Eberhard Kloke als schwächelnde Begleitmusik zu einer Lichtspielszene verpufft, wird der Zuschauer auf der Bühne durch den...
