Ironie und Taumel, bodenlos

Erstmals in der Originalinstrumentation: Jacques Offenbachs «Fantasio» unter Mark Elder

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Dass Jacques Offenbach ein romantischer Universalkomponist war, wussten schon seine Zeitgenossen. Auch nach seinem Tod blieb Offenbachs Poesie hellen Ohren nicht verborgen (Karl Kraus!). Insofern bietet die Beschäftigung mit seinen sechs Opern – die unaufgeführten, unvollendeten und Mischgattungen nicht mitgezählt – kaum Überraschungen. Wie aber der «Kontinent Offenbach» beschaffen war, dass er eine eigene Sprache im Konzert des 19.

Jahrhunderts kreierte, tritt mit jeder Ausgrabung mehr zu Tage: Nach «Robinson Crusoe» (1867) und «Vert-Vert» (1869) hat das Label Opera Rara nun die Musset-Oper «Fantasio» (1872) vorgelegt, in der Fassung der Uraufführung, und in der Originalinstrumentation.

Herausgeber Jean-Christophe Keck bezeichnet «Fantasio» als Bindeglied zwischen den «Rheinnixen» (1864) und «Hoffmanns Erzählungen» (1881). Das hört man schon der ersten Nummer an. Ein bouffe-typischer Introduktionschor geht in Sparcks Glockenlied über – vorgetragen von Neal Davies mit noblem Kavaliersbariton. Man erkennnt hier das Modell des Glockenliedes aus den «Rheinnixen». Die wirbelnden Sechzehntel der Streicher versetzen es in eine taumelnde Fastnachtsatmosphäre. Es wirkt, als hätte Offenbach ...

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Opernwelt November 2014
Rubrik: CD des Monats, Seite 37
von Boris Kehrmann

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