Die Klangredner
Schlüsselerlebnisse hat man merkwürdigerweise oft erst dann, wenn man glaubt, einen Gegenstand oder ein Subjekt in- und auswendig zu kennen. Es war ein Abonnementkonzert des Freiburger Barockorchesters (FBO) in seiner Heimatstadt im Mai 2003. «Späte Klänge» standen auf dem Programm: Arriagas stürmerisch-drängerische frühromantische D-Dur-Sinfonie und Webers «Oberon»-Ouvertüre, Mozarts Klarinettenkonzert KV 622 in der Version für Bassettklarinette und – Schuberts «Unvollendete».
Deren Interpretation unter Gottfried von der Goltz öffnete die Tür zu Schuberts Mysterium einen ganzen Spalt weiter. Gerade im ästhetischen Bereich profitiere Schubert sehr von den historischen Instrumenten, wird von der Goltz vier Jahre später zum Verfasser dieser Zeilen sagen. Historische Instrumente würden im Orchester wie eine Orgel registriert und verschmölzen viel besser miteinander: «Man kann die Gleichzeitigkeit von tiefer Trauer und heiterer Idylle, die es eigentlich nur bei Schubert gibt, viel besser herausarbeiten.» Ein Zyklus der Schubert-Sinfonien mit dem FBO – die Zeit ist längst reif dafür. Zunächst aber gilt es erst einmal Beethoven. Unter von der Goltz’ Leitung wird das Orchester in seiner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Medienerfolg als Krisensyndrom. Selten brachte es ein Opernhaus so rasch zu Schlagzeilenruhm in internationalen Zeitungen wie die Deutsche Oper mit dem sogenannten «Idomeneo-Streit». Doch damit nicht genug. Kurz darauf lief der «Jägerchor» in der Premiere des «Freischütz» seinem (Chef-) Dirigenten Renato Palumbo gnadenlos davon. Das verwackelte Ergebnis kursierte...
Ich wollte keine Musik schreiben, die man mehrere Seiten lang erklären muss». Solche Entschiedenheit, geäußert kurz vor der Münchner Uraufführung von «Alice in Wonderland», sagt viel über Unsuk Chins Stellung, ihr Selbstgefühl in der Musiklandschaft der Gegenwart – in der Mitte zwischen den eigenen Wurzeln und vielfältigen westlichen Erkundungen und Erfahrungen,...
Herr Herheim, in Ihren Inszenierungen thematisieren Sie gern die Rezeptionsgeschichte der Werke. Wäre es da nicht konsequent, wenn auch der Regisseur Herheim selbst als letztes Glied in dieser Kette auf der Bühne auftauchen würde?
Nun, der Regisseur Herheim ist sich des etymologischen Ursprungs seines Berufes bewusst: Das lateinische «regere» bedeutet so viel wie...
