Leuchtspur des Inneren
Achim Freyer, der große Bühnenkünstler und Maler, zeigt in seiner gleichermaßen verstörenden wie beeindruckenden Mannheimer Inszenierung von Verdis «La traviata», warum uns bei diesem Stück immer die Tränen kommen. Er hat Verdis Musik genauer gelesen, als wir sie bisher zu kennen meinten, und hinter dem Vergnügungstrubel der Pariser Gesellschaft die Leere, hinter der wahren Liebe aber, der die schöne Kurtisane Violetta von einem Augenblick auf den andern verfällt, den Tod entziffert.
Denn um nichts anderes als um Liebe und Tod geht es in diesem Stück: «Amore e morte» war kaum zufällig der Titel, den Verdi seiner Oper ursprünglich geben wollte, was aber von der Zensur verboten wurde.
Verdi hat in seinem wohl populärsten Bühnenwerk mit dem Schicksal der 1847 im Alter von dreiundzwanzig Jahren gestorbenen Marie Duplessis einen zeitgenössischen Stoff des französischen Boulevardtheaters aufgegriffen. Das hat bis heute zu der irrigen Annahme geführt, «La traviata» sei der Prototyp des realistischen Musiktheaters, wie wir es dann bei Puccini und den italienischen Veristen finden. Verdis Realismus aber ist ein Realismus der Form, ja des Genres, und nicht der Handlung. Der Tanz ist es, der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wieder ist es – nach Trier und Cottbus – eine der kleineren deutschen Bühnen, die sich der 2002 in Montpellier wiederbelebten «Rheinnixen» von Jacques Offenbach annimmt. Kapellmeister Hartmut Brüsch hat das mit dreieinhalb Stunden reiner Spieldauer überlange Werk auf (inklusive Pause) zweieinhalb Stunden gekürzt und damit eine praktikable, handhabbare Fassung...
Dass Märchen nicht nur kleine, sondern auch große Kinder angehen, wissen wir spätestens seit Freud. Schon die Romantik hatte den mythischen Mehrwert jener im gemeinen Volk kursierenden Traumgeschichten im Blick, in denen die psychoanalytische Theorie später Bilder des Vor- und Unbewussten entdecken sollte. Was man sich von schönen Nixen, bösen Hexen und faulem...
Mit «Marathon Man» verbindet man in der Regel Dustin Hoffman im gleichnamigen Film, oder aber Haile Gebrselassie, den Weltrekordler auf dieser klassischen Laufstrecke. Doch nicht vom Abzählen der 42,195 Kilometer, vom eintönigen, mechanisch aus dem Steiß entwickelten Trott sei hier die Rede, sondern von der eleganten Bewegung aus den Schultern heraus, vom präzise...
