Die Schwärmerin
Inszenierungen von Tschaikowskys «Eugen Onegin» kommen um einen gewissen Kostümzauber und russisches Lokalkolorit kaum herum. Denn das Seelendrama innerer Konflikte ist ohne die zeitliche Verortung im ländlichen Russland des späten 19. Jahrhunderts nur schwer plausibel zu machen.
Am Essener Aalto-Theater wagt Regisseur Michael Sturminger dennoch die radikale Aktualisierung und verlegt die Geschichte mit kühner Konsequenz in die post-sowjetische Gegenwart.
Für das erste Bild hat das Ausstatter-Team Andreas Donhauser und Renate Martin dazu einen trist verwohnten Bungalow als breites Tableau aufgebaut, das von reichlich Personal in heutig-ranzigem Russen-Schick bevölkert wird. Auf Plastikstühlen lümmelnd vertreibt man sich die berüchtigte Langeweile mit Grillen und offensivem Alkoholkonsum.
Im zweiten Bild verengt sich die Perspektive auf einen schmalen Kasten, der lautlos nach vorne fährt und Tatjanas Rückzugsort als beengtes Girlie-Zimmer in Rosa zeigt, mit Plüschtieren und Postern an den Wänden. Hier, und nicht bei romantischem Kerzenlicht schreibt sie ihren berühmten Bekenntnis-Brief an Onegin. Tatjana ist bei Sturminger ein pubertierendes Mädchen, ihre Liebe zu Onegin nichts als ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller
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