Aus dem Leben eines Taugenichts
Ehrgeiz ist ein unzuverlässiger Freund. Ich habe mein Leben lang versucht, die richtige Balance zu finden, immer meinen alten Gesangslehrer im Hinterkopf. Robert Tear mühte sich nicht bloß mit meiner Stimme ab, er war fast so etwas wie ein Zen-Meister für mich. Und er gab mir Folgendes mit auf den Weg: «Es ist gut, ehrgeizig zu sein. Man sollte bloß nicht zu genau wissen, was man will. Sonst wird man nur enttäuscht.» Ich habe es versucht und mich darauf abgerichtet, nichts Bestimmtes zu wollen. Das hat auch ganz gut geklappt.
So gut, dass ich mit offenem Mund dastand, als mich einmal ein Dirigent fragte, welche Rollen ich gern aufnehmen würde. (Keine Ahnung! Was weiß ich! Biet mir halt was an, verdammt!)
Weiterkommen wollte ich immer. Klar. Dringend. So ganz allgemein. Beim nächsten Mal einen Job mit mehr Prestige ergattern. Es einfach ein bisschen besser machen. Oder wenigstens besser bezahlt werden. Wenn mich in puncto Karriere mal jemand um Rat fragt (kommt eher selten vor), empfehle ich, es mal mit dieser Haltung zu probieren. Die Reaktion ist meistens dieser mitleidig-ungeduldige Blick. Sie wissen schon, der, den die meisten Leute für Spinner parat haben.
Zugegeben, auch bei ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christopher Gillett
Wenn heute jemand eine Neuaufnahme von Schuberts «Winterreise» wagt, sollte er gute Gründe haben. Handelt es sich doch um den wahrscheinlich meisteingespielten Liedzyklus; eine neue Aufnahme wirkt schnell so überflüssig wie ein Kropf, wenn sie nicht Ausnahmerang gewinnt. Der Tenor Daniel Behle wagt gar zwei Einspielungen in einem Album – und hat überzeugende...
Schwammerl» nannten ihn seine Freunde. Im Hochdeutschen bedeutet das «Pilzling»; es zielte wohl auf Franz Schuberts körperliche Disposition: untersetzt, klein, beleibt. Und in Gesellschaft oft scheu und irritiert. Doch das war quasi die Vorderansicht, die Hülle des Komponisten. Um die Rückansicht, die Innen- und Nachtseite, um den Schöpfer von zuletzt...
Sänger seien – ausbildungsbedingt – schlechte Darsteller: Dieses Vorurteil habe er vor vielen Jahren in einem Interview zum Besten gegeben, berichtet Gerd Heinz im Vorwort zu seinem Grundlagenkurs «Der Sänger als Schauspieler». Statt Schelte von Opernseite trug ihm die Äußerung eine langjährige Tätigkeit als Hochschuldozent ein, der sich auch das nun im Henschel...
