Alles Show, das mit der Freiheit
Warum ist die eine Oper erfolgreich und die andere nicht? Rossinis «Wilhelm Tell» quillt über vor schönen Melodien, wirksam instrumentierten Szenen, massenkompatiblen Arien und stimmungsvollen Ensembles. Und doch hat sich nur die Ouvertüre als Wunschkonzert-Schmankerl etablieren können. Womöglich war das letzte Werk des Maestros aus Pesaro zu überraschend für seine Zeit.
Der «Tell» ist Welten vom «Barbier» entfernt, lässt sich eher zwischen frühem Verdi und Grand Opéra lokalisieren – und wenn man das Werk, wie in Kaiserslautern, auf Französisch aufführt, wird die enge Bindung zum Pariser Opernstil des frühen 19. Jahrhunderts noch deutlicher. Zudem braucht es für die beiden zentralen Rollen erstklassige Kräfte: einen Bariton und einen Tenor, die in der Lage sind, Fachgrenzen hinter sich zu lassen – auch das eine hohe Hürde für die Dauerpräsenz im Repertoire.
Musikalisch ist die Aufführung im Pfalztheater ein starkes Plädoyer für das Stück. Das hat in erster Linie mit dem Orchester zu tun, das unter der Leitung von Uwe Sandner vom ersten Sturmwind der Ouvertüre bis zur heroischen Schluss-Apotheose alle Register zieht, die eine große Oper braucht. Sandner findet einen süffigen, ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Dieter Lintz
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Sicher, irgendwie war er nicht von dieser Welt. «Ich wurde auf Sirius ausgebildet, und dort will ich auch wieder hin», erklärte Karlheinz Stockhausen einmal, als er noch im Bergischen Land wohnte. In Kürten bei Köln, wo er 26 Jahre lang, von 1977 bis 2003, an seinem opus magnum, dem siebenteiligen Opernzyklus «Licht» gearbeitet hatte. Er sah sich als Geisteswesen,...
Ein riesiger schwarzer Fächer spreizt sich oberhalb des Strandbads, winkt mit Spanien-Romantik – das Einheitsbühnenbild für den zweiten Jahrgang der Berliner Seefestspiele, für die sich Filmemacher Volker Schlöndorff an «Carmen» versuchte. Schlöndorff enttäuschte 2005 an der Deutschen Oper Berlin mit Janáceks «Totenhaus», nun erweist sich seine...
