Elegische Schurken
Vor einigen Jahren brachte Bryn Terfel ein Album heraus, in dem er seine Interpretation einiger «Bad Boys» der Oper vorstellte. Von Opernschurken par excellence wie Scarpia, Mephisto und Jago sind die «Bad Guys», die der spanische Countertenor Xavier Sabata für ein gleichnamiges erstes Soloalbum aus Opern Händels zusammengestellt hat, denkbar weit entfernt.
Während Puccini, Boito oder Verdi ihre Finsterlinge durch eine ganz eigene Klangsprache charakterisieren, sind die musikalischen Ausdrucksmittel, die Händel für Bösewichter wie Egeo in «Teseo», Adelberto in «Ottone» oder Tolomeo in «Giulio Cesare in Egitto» aufbietet, weitestgehend identisch mit denen, die er für die anderen Figuren seiner Opern einsetzt. Eine dissonanzgesättigte Liebesklage wie die Arie «Pena tiranna» in «Amadigi di Gaula» etwa lässt in keinem Moment erkennen, dass es sich bei Dardano, dem Sänger dieses Stücks, um den Gegenspieler des Titelhelden Amadigi handelt. Xavier Sabata unternimmt auch keinen Versuch, diese Arie wie die Äußerung eines «bösen Jungen» klingen zu lassen, im Gegenteil: Zusammen mit dem höchst differenziert und erregt artikulierenden Ensemble Il Pomo d’Oro unter Riccardo Minasi gelingt ihm ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Thomas Seedorf
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